Weniger im Büro sitzen

Update (17.3.2016, Ergänzungen in kursiv): Der Frühling kommt und wir würden alle lieber etwas weniger im Büro sitzen. Und das wäre mit Sicherheit auch gesund – wobei wir hier nicht von reduzierter Arbeitszeit reden, sondern von dem Gesundheitsrisiko „sitzen“.

Wir leben in einer Informationsgesellschaft, was unter anderem dazu führt, dass sehr viele eigentlich unterschiedliche Berufe genau gleich aussehen: Wir sitzen im Büro. Vor einem Computer. Jeden Tag, den ganzen Tag.

Das hat sich als ziemlich ungesund herausgestellt. Und auch wenn Meldungen wie „Sitzen ist das neue Rauchen“ die Gefahr übertreiben, mehren sich die Hinweise, dass langes Sitzen die Lebenszeit verkürzt (www.medizin-transparent.at/sitzen-wir-uns-zu-tode).

Aufstehen und Gehen?

Besondere Gemeinheit: Selbst durch regelmäßigen Sport lässt sich diese Risiko nicht beseitigen. Wichtig wäre es also, die tägliche Sitzzeit zu reduzieren. Ein aktueller Cochrane Review hat untersucht, ob es dazu schon sinnvolle Maßnahmen gibt, mit denen die im Sitzen verbrachte Arbeitszeit verringert werden kann.

20 Studien mit insgesamt 2174 Teilnehmern haben die folgenden Ideen überprüft: die Wirkung von Steh-Sitz-Tischen, Computeraufforderungen regelmäßig aufzustehen und verschiedene Beratungsangebote, beispielsweise Achtsamkeitstraining.

Die sechs Studien mit den Steh-Sitz-Tischen sehen auf den ersten Blick sehr vielversprechend aus; wer zu einem Steh-Sitz-Tisch wechselte, saß 30 Minuten bis zu zwei Stunden weniger als vorher an einem normalen Tisch. Die gesamte Sitzzeit konnte so reduziert werden, es hatte sogar Auswirkungen auf die Sitzzeiten außerhalb der Arbeitszeit. 

Und die gute Nachricht für die Arbeitgeber: Die Umstellung auf Steh-Sitz-Tische hatte keine negativen Folgen für die Produktivität. Auch sonst gab es keine Nebenwirkungen, weder traten vermehrte Schmerzen des Bewegungsapparates auf, noch Venenprobleme.

Jedoch ist die Qualität der Evidenz noch immer sehr gering und es bleibt unklar, ob Steh-Sitz-Tische tatsächlich positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Noch fehlen Studien, welche den langfristigen Erfolg methodisch sauber überprüft haben. Die vorhandenen Studien haben meist nur wenige Teilnehmer und methodische Schwächen.

Ko-Autor Jos Verbeek: „Stehen statt zu sitzen ändert kaum etwas am Energieverbrauch. Wir wissen nicht, ob längeres Stehen die Folgen eines bewegungsarmen Lebensstil mildern kann.“

Die Pausen dafür zu nutzen, aktiv herumzugehen, sorgt zwar für Bewegung, aber wenig überraschenderweise reduziert es nicht die Sitzzeiten.
Wie gut Informations- und Beratungsangebote wirken, kann anhand der bisherigen Studien nicht gesagt werden.

Forschungsbedarf

Sitzen als Gefahr zu bezeichnen klingt im ersten Moment etwas lächerlich. Leider ist es das nicht, aufgrund unserer Arbeitswelt ist es nach aktuellen Erkenntnissen ein Risikofaktor, der viele von uns gesunde Lebensjahre kosten könnte. Noch wissen wir zu wenig darüber, mit welchen Maßnahmen wir die täglichen Sitzzeiten reduzieren könne, aber es wäre unvorsichtig, diese Forschungslücke auf uns sitzen zu lassen.

 

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