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Was ist schon absurd?

Manche Therapien widersprechen allem was wir in der wissenschaftlichen Medizin wissen. Brauchen wir trotzdem Studien, um deren Wirksamkeit beurteilen zu können?

Wenn es keine Studien zu einer Frage gibt, lässt sich die Frage nicht evidenzbasiert beantworten. Das beste verfügbare Wissen ist dann: Unklarheit. Jedenfalls haben wir das bisher bei medizin-transparent.at so gehandhabt – der Informationsplattform, auf der wir Leseranfragen zu Gesundheitsthemen beantworten. Das führt gelegentlich zu seltsamen Ergebnissen: Eigenurintherapie – Wirksamkeit unklar. Schüßler Salze – Wirksamkeit unklar. Petroleum gegen Krebs – Wirksamkeit unklar.

Stimmt das denn so? Wissen wir wirklich nichts, wenn es keine Studien gibt? Natürlich nicht, meistens wissen wir auch ohne Studien relativ viel: Wir kennen die historische Entwicklung einer Therapie, ihren theoretischen Hintergrund und können uns Gedanken über mögliche Wirkmechanismen machen. In vielen Fällen ergibt sich allein daraus ein klares Bild und oft kann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Unwirksamkeit angenommen werden. Warum machen wir das bei medizin-transparent.at dann nicht?

Was spricht für „unklar“?

Es gibt in der Medizin viele Ideen, die an der Absurdität kratzen, bestehendem Wissen widersprechen oder die einfach hanebüchene Relikte magischer Vorstellungen sind. Aber ab wann ist etwas so absurd, dass wir keine Studien dazu brauchen? Und wer soll das entscheiden? Beispiel Eigenurintherapie: Ja, die Idee ist antik, die Vorstellung grauslig und der Wirkmechanismus unwahrscheinlich. Andererseits: Urin enthält zahlreiche Stoffe, die theoretisch wirken könnten – auch wenn sich der Körper gerade viel Mühe gegeben hat, sie loszuwerden. Können wir uns Studien dazu sparen? Dürfen wir die Idee auch ohne Studien aburteilen?

Bei medizin-transparent.at tun wir das nicht; weil wir uns nicht zu jener Instanz aufspielen wollen, die definiert, ab wann etwas absurd ist. Und weil die Art der Bewertung den Vorteil einer gewissen Objektivität hat: Wir begründen unsere Beurteilung nun einmal rein auf die Studienlage, das ist zwar nicht immer perfekt, aber immer und für jeden nachvollziehbar.

Autor: Jörg Wipplinger

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1 Antwort
  1. Tarheel says:

    Interessanter Beitrag. Ich finde man sollte aber auch folgendes beachten: Für die meisten Erkrankungen gibt es neben den „absurden“ Therapien auch solche, für die es sehr wohl Evidenz gibt, dass sie mehr nutzen als schaden. Dh. bei „absurden“ Therapien entscheiden sich PatientInnen und ÄrztInnen bewusst FÜR eine Therapieform von der wir nicht wissen ob sie mehr nutzt als schadet und bewusst GEGEN die evidenzbasierte Alternative. Und das ist auch ihr gutes Recht, denn freie Bürger sollen freie Entscheidungen treffen.

    Wie im Artikel beschrieben, sollen Plattformen wie Medizin Transparent oder Gesundheitsinformation.de eben keine „Instanz für Absurdität“ sein, sondern nur helfen Entscheidungsgrundlagen für BürgerInnen und PatientInnen zu verbessern. Die Verfechter der absurden Therapien stellen die Evidenzlage nämlich oft verzerrt dar („Studien zeigen…..“). Entscheiden muss dann ohnehin jeder/jede für sich.

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