Pasta, Pizza, Pomodori – mediterrane Kost gut fürs Herz?

Für manchen Liebhaber der italienischen Küche wäre es ein Traum, regelmäßig Spaghetti oder Pizza in Begleitung eines Gläschens Rotweins verzehren zu können. Schließlich soll die mediterrane Küche gut fürs Herz sein. Doch was heißt das genau, und stimmt es auch? Ein Cochrane Review ging dieser Frage nach und untersuchte, ob die mediterrane Kost Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen kann.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z. B. die koronare Herzkrankheit, sind in Deutschland weit verbreitet und stellen die häufigste Todesursache dar.

Bei etwa 7 von 100 Frauen und 10 von 100 Männern wird im Laufe ihres Lebens laut der Patienteninformation des ÄZQ eine koronare Herzkrankheit diagnostiziert.

Diese Erkrankung entsteht dadurch, dass die Blutgefäße, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen, durch Ablagerungen (Arteriosklerose) verengt sind. In Folge dieser Verengung wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was bei Belastung zu einem Gefühl der Enge in der Brust (Angina Pectoris) oder beim vollständigen Verschluss eines Blutgefäßes zu einem Herzinfarkt führen kann.

Folgende Risikofaktoren begünstigen das Entstehen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung: Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht (Adipositas), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Bluthochdruck (Hypertonie), hohe Low-density-Lipoprotein (LDL)-Werte im Blut und psychosoziale Belastungen.

Mediterrane Ernährung: herzhaft gesund?

Die oben genannten Risikofaktoren hängen unter anderem mit unserem Lebensstil und insofern auch mit unseren täglichen Ernährungsgewohnheiten zusammen. Einige Untersuchungen in den 1960er Jahren ergaben, dass Mittelmeeranwohner im Vergleich zu Nordeuropäern seltener infolge kardiovaskulärer Erkrankungen verstarben. Daher wurde vermutet, dass dieses Phänomen mit der mediterranen Ernährung zusammenhängen könnte.

Die Ernährung in diesem Kulturraum besteht jedoch nicht nur aus Pizza und Pasta, sondern weist ein großes Spektrum verschiedener Nahrungsmittel auf. Vorwiegend besteht die mediterrane Ernährung aus frischem und saisonalem Obst und Gemüse, Getreide und Vollkornprodukten, Nüssen und Saaten. Größere Mengen an frischen Früchten werden täglich verzehrt, wobei die Mengen an industriellem Zucker gering gehalten werden.

Fisch und Olivenöl stellen die Hauptquellen für mehrfach ungesättigte Fettsäuren dar. Diese Fettsäuren beeinflussen unsere Blutfette (Cholesterin) in einer positiven Weise und schützen somit das Herz. Milchprodukte (Käse oder Jogurt) und rotes Fleisch – die Lieferanten für die schädlichen gesättigten Fettsäuren – werden selten konsumiert. Zu den Gerichten in den Mittags- und Abendstunden wird oftmals ein Glas Rotwein gereicht.

Cochrane Evidenz zu mediterraner Ernährung und Herzgesundheit

Im Jahr 2013 untersuchten Cochrane Autoren*, ob sich eine mediterrane Ernährungsweise positiv auf das Herz-Kreislaufsystem auswirkt und gegebenenfalls auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen könnte.

Dafür betrachteten die Autoren 11 themenrelevante randomisierte und kontrollierte Studien, die in unterschiedlichen Ländern (der USA, Italien, Spanien, Norwegen, Iran und England) durchgeführt wurden.

Im Rahmen der Studien wurde die Hälfte der insgesamt 52.044 erwachsenen Studienteilnehmer in Hinblick auf eine spezielle Diät beraten. Diese Ernährung wies mindestens zwei der folgenden Elemente auf.

• Hoher Anteil an einfach ungesättigten und gesättigten Fettsäuren
• Niedriger bis mäßiger Rotweinkonsum
• Hoher Gemüseverzehr
• Hoher Verzehr von Körnern und Getreide
• Hoher Konsum von Früchten und Gemüse
• Geringer Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten
• Gesteigerter Fischkonsum
• Mäßiger Konsum von Milchprodukten

Die anderen Hälfte der Teilnehmer erhielt keine Ernährungsberatung und behielt ihre Ernährungsgewohnheiten bei.

Zu festgelegten Zeitpunkten wurde untersucht, welche Teilnehmer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelten. Die Zeitpunkte variierten je nach Studie und lagen zwischen 3 Monaten und 8 Jahren. Zudem wurden Risikofaktoren, wie erhöhte Blutfette (LDL), Bluthochdruck, Auftreten von Diabetes Mellitus Typ 2 gemessen und zwischen den Gruppen verglichen.

Eine Studie, die das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über 8 Jahre hinweg verglich, konnte keinen Unterschied zwischen den untersuchten Gruppen feststellen. In anderen Studien wiesen die Teilnehmer, die zur mediterranen Ernährung beraten worden waren, im Vergleich zur Kontrollgruppe erniedrigte Cholesterin-Werte bzw. niedrigere LDL-Werte auf. Da erhöhte Werte des Blutfetts LDL mit der die Bildung von Arteriosklerose und somit einer Verengung der Blutgefäße in Verbindung stehen sollen, gibt dieses Ergebnis einen Hinweis auf die mögliche Wirksamkeit der mediterranen Ernährung.

Das Fazit?

Insgesamt zeigt der Cochrane Review, dass sich mediterrane Ernährungsgewohnheiten positiv auf einige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken könnten. Da die eingeschlossenen Studien in der Art der Durchführung jedoch sehr große Unterschiede aufweisen, konnten ihre Ergebnisse nicht ohne weiteres verglichen und zusammengefasst werden.

Laut der Review Autoren sind weitere Studien notwendig, um die Wirksamkeit der verschiedenen ernährungsbezogenen Maßnahmen beurteilen zu können. Bislang konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, welche Maßnahme bei der jeweiligen Bevölkerungsgruppe am wirksamsten ist. Unumstritten bleibt jedoch, dass sich eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung positiv auf unser Befinden und unsere Gesundheit auswirken.

In weiteren Blog-Beiträgen werden wir weitere relevante Cochrane-Reviews betrachten, um Ihnen zu zeigen, was sie selbst tun können, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Text: Maren Fendt

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

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