Gute Gesundheit bedarf guter Entscheidungen

Wer sucht, der findet“ Auf der Suche nach Informationen zu Gesundheitsfragen erhält man viele Treffer. Doch stimmt das, was man findet, überhaupt? Leider oftmals nicht. Deshalb müsste das Sprichwort in diesem Fall eher lauten: „Wer sucht, weiß oft nicht genau, was er findet.

Sicher suchen auch Sie manchmal nach guten Informationen, um Fragen zur Gesundheit entweder für sich selbst oder Ihre Nächsten zu beantworten. Zum Beispiel zur Wirksamkeit eines Medikamentes, einer pflegerischen Maßnahme, einer physiotherapeutischen Behandlung oder einer Lebensstilveränderung? Dann kennen Sie sicher das Problem: Egal wo Sie suchen ist das Ergebnis häufig eine schier endlose Treffermenge. Mitunter sind die Aussagen dazu, was Sie tun sollten und was nicht, beziehungsweise, was (angeblich) hilft und was schadet, sogar widersprüchlich. Und dann ist es Ihnen überlassen, ob Sie den Aussagen Glauben schenken und welche Entscheidungen Sie treffen.

Informationen zur Gesundheit kritisch bewerten

Viele Aussagen sind, selbst wenn Sie gut gemeint sind, nachweislich falsch, und manche sind sogar vorsätzlich irreführend, um anderen Interessen als dem Wohlergehen von Patienten* zu dienen (z. B. kommerziellen Interessen). So hat zum Beispiel eine in Österreich im Jahr 2015 durchgeführte Analyse von fast 1000 Medienartikeln ergeben, dass nur knapp 11 % der in ihnen vermittelten Informationen in Einklang mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand standen; 60 % hingegen wurden als „stark übertrieben“ bewertet (siehe dazu auch Bedroht schlechter Medizinjournalismus unsere Gesundheit?).

Was bedeutet das?

Es ist wichtig, kritisch zu sein und zu lernen, zuverlässige von unzuverlässigen Aussagen zu unterscheiden. Doch das ist einfacher gesagt als getan: die meisten Menschen haben nie gelernt, Gesundheitsinformationen angemessen zu bewerten.

Wo ist der Beweis?

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das sich genau diesem Problem angenommen hat, ist ‚Wo ist der Beweis – Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin‘. Es erklärt die wesentlichen Konzepte für die kritische Betrachtung von Aussagen zu Behandlungen in verständlicher Sprache.

Zudem entwickelt eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern, Angehörigen verschiedener Gesundheitsberufe, Journalisten, Lehrern und Vertreter weiterer Interessensgruppen seit einigen Jahren Lernmaterialien zur sogenannten ‚Informierten Entscheidungsfindung zur Gesundheit‘. Wesentliches Ziel des ‚Informed Health Choices Project‘: Menschen jeglicher Altersgruppen und Hintergründe sollen dazu befähigt werden, Gesundheitsinformationen kritisch zu hinterfragen; zuverlässige von unzuverlässigen Aussagen zu unterscheiden und informierte Entscheidungen auf der Grundlage zuverlässiger Informationen zu treffen.

 

 

Als Ausgangspunkt für die Entwicklung der Lernmaterialien erstellte die Projektgruppe eine Liste von derzeit 36 ‚Schlüsselkonzepten‘ (key concepts), deren Verständnis eine Voraussetzung ist, um Gesundheitsinformationen kritisch bewerten zu können. Sie sind in drei Themengruppen unterteilt:

  • erkennen, ob eine Aussage auf einer zuverlässigen oder unzuverlässigen Grundlage beruht;
  • verstehen, ob ein Vergleich zwischen Behandlungen zuverlässig ist, und
  • informierte Entscheidungen treffen.

Students 4 Best Evidence (S4BE) ist ein internationales Netzwerk von Schülern und Studierenden mit Interesse an Evidenzbasierter Gesundheitsversorgung. Diese von Cochrane unterstützte Gruppe hat den IHC-Schlüsselkonzepten eine Blogserie in englischer Sprache gewidmet. Zu jedem Konzept wurde ein Blogbeitrag und dazu ein kurzes Textvideo erstellt.

…und auf Deutsch?

Damit die 36 ICH-Schlüsselkonzepte auch im deutschsprachigen Raum einem möglichst breiten Publikum zugänglich werden, hat nun eine Gruppe von sieben Studierenden des Studiengangs BSc Physiotherapie der Hochschule 21, Buxtehude (Bild unten), unter Leitung von Cordula Braun alle 36 Videos auf Deutsch übersetzt. Wir hoffen auf ihre breite Nutzung!

Alle am Projekt beteiligten Studierende: Vinzenz Becker-Mosen, Alina Brand, Christian Diepold, Thomas Kleinophorst, Nikolas Mallwitz, Vivien Aline Reimers, Jonas Wagener.

Text: Cordula Braun

Quellen:

Chalmers, I. et al. Key Concepts for Informed Health Choices: a framework for helping people learn how to assess treatment claims and make informed choices. 2018. BMJ evidence-based medicine, 23(1), pp.29–33.

Evans, I., Thornton, H., Chalmers, I., Glasziou, P. Wo ist der Beweis? Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin. Testing Treatments – Better Research for Better Healthcare. 2013. Hrsg. Gerd Antes. 2013. Huber Verlag. http://de.testingtreatments.org/. (Deutsche Übersetzung; Originaltitel: „Testing Treatments – better research for better healthcare“; https://en.testingtreatments.org/).

Kerschner, B., Wipplinger, J., Klerings, I., Gartlehner, G. Wie evidenzbasiert berichten Print- und Online-Medien in Österreich? Eine quantitative Analyse. 2015. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, 109(4-5):341-9.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

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