Doppelt hält besser – eine Kombination von Nikotinersatztherapien hilft besser mit dem Rauchen aufzuhören als einzelne Maßnahmen

Vom Rauchen loszukommen gestaltet sich für viele Raucherinnen und Raucher schwierig. Rund um den Weltnichtrauchertag möchten wir beleuchten, mit welchen Hilfsmitteln man den Rauchstopp am besten unterstützen kann. Ein aktueller Cochrane Review hat sich diesem Thema gewidmet und untersucht welche Nikotinersatztherapien Menschen am Weg zum Nichtraucher-Dasein am meisten helfen.

Am 31.5. ist Weltnichtrauchertag. Weltweit wird auf die Gefahren des Rauchens hingewiesen. Viele Raucherinnen und Raucher sind sich dessen bereits bewusst und möchten von sich aus mit dem Rauchen aufhören. Doch das fällt vielen sehr schwer. Es gibt gute Evidenz dafür, dass Nikotinersatztherapien wirksam beim Rauchstopp helfen können. Wir haben dazu in „Ausgequalmt – Nikotinersatztherapie hilft beim Rauchstopp“ berichtet. Welche Nikotinersatztherapien den Rauchstopp am besten unterstützen bzw. welche Kombinationen von Nikotinersatztherapien am wirksamsten sind, hat ein aktueller Cochrane Review untersucht.

Die Qual der Wahl

Raucherinnen und Rauchern, die mit dem Rauchen aufhören wollen, stehen eine Vielzahl von Nikotinersatztherapien zur Verfügung. Dazu gehört beispielsweise die Aufnahme von kleinen Dosen Nikotin über Hautpflaster, Kaugummis, Nasen- und Mundsprays, Inhalatoren, Lutschtabletten oder Tabletten. In vielen Ländern kann eine Nikotinersatztherapie sowohl von Gesundheitsberufen verordnet als auch rezeptfrei bezogen werden. Ziel einer Nikotinersatztherapie ist es, das Nikotin, das die rauchende Person normalerweise aus Zigaretten aufnimmt, anders und in kleinen Mengen zuzuführen, so dass der Drang zum Rauchen gesenkt und dadurch ein vollständiger Verzicht auf das Rauchen vereinfacht wird.

Was sagt die Evidenz?

Ein aktueller Cochrane Review verglich unterschiedliche Möglichkeiten, eine Nikotinersatztherapie zur Raucherentwöhnung einzusetzen. Es wurde untersucht, welche Methoden am wirksamsten sind, um das Rauchen für sechs Monate oder länger einzustellen. Der Review umfasst 63 Studien mit insgesamt 41.509 Teilnehmerinnen und Teilnhemern (Großteil Erwachsene). In allen Studien wollten die teilnehmenden Personen von sich aus mit dem Rauchen aufhören. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rauchten zu Beginn der Studien typischerweise mindestens 15 Zigaretten pro Tag.

Die Cochrane-Autoren fanden heraus, dass die gleichzeitige Verwendung eines Nikotinpflasters und einer weiteren Form von Nikotinersatztherapie (wie zum Beispiel ein Kaugummi oder Lutschtabletten), verglichen mit der Anwendung einer einzelnen Maßnahme, die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eine Person erfolgreich mit dem Rauchen aufhört. Etwas mehr als 17 % der Personen, die ein Pflaster mit einer anderen Maßnahme kombinierten, konnten mit dem Rauchen aufhören, verglichen mit etwa 14 % derjenigen, die eine einzelne Form von Nikotinersatztherapie anwendeten.

Mehr = besser (meistens)

Die Wahrscheinlichkeit, dass Personen erfolgreich mit dem Rauchen aufhörten, war auch höher, wenn sie Nikotinkaugummis mit einer höheren Dosis (4 mg Nikotin) im Vergleich zu Nikotinkaugummis mit einer niedrigeren Dosierung (2 mg Nikotin) benutzten – dieser Unterschied war vor allem bei starken Raucherinnen und Rauchern zu beobachten. Höher dosierte Nikotinpflaster (25 mg oder 21 mg Nikotin) erhöhen vermutlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person mit dem Rauchen aufhört als es Nikotinpflaster mit einer niedrigeren Dosis (15 mg oder 14 mg Nikotin) tun. Diese Wirkungssteigerung war jedoch bei höheren Dosen nicht mehr zu sehen. Ob 42/44 mg oder 21/22 mg Nikotin pro Pflaster machte kaum einen Unterschied in Bezug auf die Wirksamkeit. Insgesamt bedarf es weiterer Evidenz, um diese Schlussfolgerung zu untermauern.

Früher = besser

Wenn Menschen mit dem Rauchen aufhören wollen, legen sie oft einen fixen ‚Aussteiger-Termin‘ fest, nämlich den Tag, an dem sie planen, mit dem Rauchen ganz aufzuhören. Es gibt Evidenz dafür, dass es hilfreich sein könnte, mit der Nikotinersatztherapie schon vor diesem festgelegten Tag – anstatt an diesem Tag – zu beginnen, um den Rauchstopp einzuleiten. Mehr Evidenz ist allerdings erforderlich, um diese Schlussfolgerung zu untermauern.

Einige Studien untersuchten, wie sicher die Anwendung der verschiedenen Formen von Nikotinersatztherapie ist, und fanden heraus, dass bei nur sehr wenigen Menschen unerwünschte Ereignisse auftraten und diese eher mild waren. Beispielsweise wurden Hautirritationen durch Pflaster oder Mundgeschwüre durch Lutschtabletten berichtet. Die Nikotinersatztherapie gilt als sicher, jedoch gibt es sehr wenig Evidenz, die die Sicherheit der verschiedenen Therapieformen miteinander vergleicht.

Quintessenz

Die Hauptautorin des Reviews, Nicola Lindson vom Nuffield Department of Primary Care Health Sciences, University of Oxford, fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen:

„Die qualitativ hochwertige Evidenz dieses Reviews zeigt deutlich, dass die wirksamste Art der Anwendung der Nikotinersatztherapie darin besteht, eine Kombination aus zwei Maßnahmen gleichzeitig anzuwenden – ein Pflaster und ein schnell wirkendes Produkt wie zum Beispiel Kaugummi, Nasenspray oder Lutschtabletten. Mit einer solchen Kombination steigt die Wahrscheinlichkeit, ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Einige Menschen haben Vorbehalte gegenüber der gleichzeitigen Anwendung von zwei Arten der Therapie, aber die Evidenz ergibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.“

Offen bleibt

Der Review konnte leider nicht alle Fragen klären. So bleibt beispielsweise offen, wie lange eine Nikotinersatztherapie idealerweise durchgeführt werden sollte und ob sie besser nach einem fixen Zeitplan oder flexibel eingesetzt werden soll. Ebenso unklar bleibt, ob Menschen eher mit dem Rauchen aufhören würden, wenn Nikotinersatztherapie kostenlos wäre. Hierzu braucht es noch weiterer Forschung, um diese Fragen beantworten zu können.

Text: Barbara Nußbaumer-Streit, basierend auf  einer Pressemitteilung von Cochrane International: Featured Review: Different doses, durations and modes of delivery of nicotine replacement therapy for smoking cessation.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

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2 Antworten
  1. Patrick A. says:

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel.
    Das Schöne an der Nikotinersatztherapie ist ja, dass währenddessen nur das Nikotin konsumiert wird und auf den giftigen Tabakrauch, der ja hauptsächlich für die gesundheitlichen Schäden verantwortlich ist, komplett verzichtet wird.

    Meiner Meinung nach kann schon von einem Fortschritt gesprochen werden, wenn Menschen durch das Konsumieren von Ersatzprodukten weniger rauchen. Klar: Der Preis für Pflaster und Co. ist etwas hoch angesetzt, aber viel teurer als der fortlaufende Zigarettenkonsum sind sie nicht. Das sollte man unbedingt in Relation setzen.

    Wie Sie es in Ihrem Artikel schon angeschnitten haben, wäre es noch interessant, zu klären, ob die kostenlose Nikotinersatztherapie in Bezug auf den Aufhörversuch erfolgversprechender ist oder nicht. Ich persönlich denke, dass sich die Chancen tatsächlich erhöhen können, denn wenn die finanzielle Barriere erst einmal wegfällt, wird einem ein gewisser Teil an Druck abgenommen. Die Tatsache, dass man während der Nikotinersatztherapie kaum bis kein Geld ausgibt, kann zudem als Motivationsantrieb dienen, es auch wirklich durchzuziehen. Ich hoffe sehr, dass in Zukunft weitere Untersuchungen in diese Richtung unternommen werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Patrick A.

    Antworten
    • Andrea Puhl says:

      Vielen Dank für Ihren wertvollen Kommentar. In der Tat wurden im Review, auf den sich dieser Artikel bezieht, nur zwei Studien zum Thema kostenfreier Nikotinersatztherapie versus einer vom Nutzer finanziell selbst getragenen Therapie eingeschlossen.

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