cc Diego Cupolo

Das Übel der echten Grippe

Wie jedes Jahr füllen sich die Medien wieder mit „Irgendwas mit Grippe“ –Themen. Wir machen mit und werfen einen Blick auf die Impfung und andere Gegenstrategien.

Was wir im Alltag als Grippe bezeichnen, sind meist nur grippale Infekte – das übliche Niesen, etwas Schwäche, Abgeschlagenheit. Nichts Tragisches. Nur rund ein Zehntel dieser Krankheitsfälle wird tatsächlich von Influenza-Viren verursacht – was alleine schon erklärt, warum diesen recht häufigen Beeinträchtigungen mit einer Grippeimpfung nicht wirksam beizukommen ist.

Denn die Impfung gegen die echte Grippe ist eben eine gegen Influenzaviren. Bei der echten Grippe kommt es zumeist zu Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen. Das dauert ein paar Tage und wird in den meisten Fällen problemlos überstanden. Während wir uns alle gelegentlich mit grippalen Infekten herumschlagen, sind pro Grippesaison nur rund 20 bis 40 von 1000 Erwachsenen von einer echten Influenza-Infektion betroffen. Aber die Krankheit ist keineswegs harmlos: Influenza kann durch bakterielle Zweitinfektionen zu Lungenentzündungen und gelegentlich auch zu Herzmuskelentzündungen führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, solche mit einer chronischen Erkrankung, Schwangere und Säuglinge.

Impfen, Medikamente und Hygiene

Wir tun also gut daran, möglichst erst gar nicht krank zu werden. Dabei sollten uns zwei Dinge helfen: Die Impfung und ein paar Verhaltensregeln. Leider ist die Impfung alles andere als perfekt, wie hier detailliert beschrieben wird: http://www.medizin-transparent.at/grippeimpfung-weniger-wirksam-als-angenommen

In Zahlen heißt das : Die Grippe-Impfung verhindert bei 1000 Personen 15 Grippefälle ; 973 Menschen wären allerdings auch ohne Impfung von vornherein nie erkrankt. Statt 27 erkranken nach einer Impfung also noch 12 von 1000. Das ist nicht berauschend. Dazu kommt, dass Wirkung und Nebenwirkung gerade für jene Altersgruppen relativ schlecht erforscht sind, für welche die Impfung empfohlen wird, nämlich bei Kindern und bei Menschen über 65 Jahren.

Einer der Gründe für den mangelnden Impfschutz ist, dass sich die Influenza-Viren jedes Jahr verändern und die verfügbare Impfung nicht immer gleich gut passt –auch wenn jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt wird. Bei der Herstellung muss immer ein wenig geraten werden, welche Virenstämme in der kommenden Grippesaison verbreitet werden.

Als Vorteil der Impfung gilt, dass eine hohe Durchimpfungsrate die Ausbreitung der Grippe verringern könnte und dadurch vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem geschützt werden könnten. Trotz mässiger Wirksamkeit ist sie eine der wenigen Möglichkeiten, die Gefahr einer Grippeerkrankung zu reduzieren.

Ein anderer, sehr nebenwirkungsarmer Weg sich und andere vor einer Infektion zu schützen, ist das Händewaschen. Besonders im Umfeld von kleinen Kindern führt diese einfache Hygienemaßnahme zu einem verringerten Ansteckungsrisiko – wie ein Cochrane Review schon 2011 zeigen konnte.

Wie dieser Review zeigt, ist ein Mundschutz ebenfalls nützlich. Doch diese Maßnahme kennen wir in Europa außerhalb von Gesundheitsinstitutionen beinahe nur von asiatischen Touristen. Immerhin, verpflichten manche Krankenhäuser ungeimpftes Personal zum Tragen eines Mundschutzes, solange die Grippe umgeht.

Wenn die Influenza trotzdem zuschlägt

Haben einen die Viren dennoch erwischt, tut man sich und seiner Umgebung eine Gefallen, wenn man im Bett bleibt. Sich mit Grippeanzeichen zur Arbeit zu schleppen, womöglich aus Verantwortungsgefühl, ist das Gegenteil: verantwortungslos. Bleiben noch die umstrittenen Medikamente mit den Wirkstoffen Oseltamivir (Tamiflu) und Zanamivir (Relenza). Mit den Medikamenten ist es ein wenig so wie mit der Impfung: Ja, sie helfen womöglich, aber bei weitem nicht so gut wie wir das gerne hätten – und auch bei weitem nicht so gut, wie das die Hersteller behaupten

Und auch hier ist es so, dass die Wirkung zwar nach aktuellem Stand des Wissens nur gering ist, aber da es kaum etwas anderes Hilfreiches gibt, die Medikamente besser als nichts sind. Vorausgesetzt sie werden rechtzeitig eingenommen und man gehört nicht zu jenen, die an den Nebenwirkungen leiden – Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

 

 

Autoren: Jörg Wipplinger, Erik von Elm

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