Blutgerinnung unter Kontrolle

Viele Menschen mit Herzerkrankungen müssen, oft sogar lebenslang, blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Mit speziellen Geräten können Betroffene ihre Blutgerinnungszeit zuhause selbst überwachen und die Medikamentendosis entsprechend anpassen. Ein Cochrane-Review hat analysiert, wie gut diese Möglichkeit der Selbstkontrolle funktioniert.

Die Frage ist, ob Geräte zur patientennahen Labordiagnostik (Point-of-care testing) gleichwertig oder sogar besser sind als die Überwachung durch den Arzt. Bei dieser Art der Selbstkontrolle messen Patienten, die langfristig blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen (Antikoagulationstherapie), regelmäßig die so genannte International Normalized Ratio (INR). Dabei handelt es sich um einen Wert, der angibt, wie schnell das Blut eines Menschen gerinnt. Wenn die INR über dem empfohlenen Wert liegt, erhöht sich das Risiko großer Blutungen; liegt er darunter, erhöht sich das Risiko eines Blutgerinnsels. Die genaue Überwachung dieses Wertes ist also unbedingt notwendig. Auf dieser Basis können Betroffene entweder selbst ihre Medikamentendosis an den Wert anpassen (Selbstmanagement) oder eine Klinik anrufen, um die entsprechende Dosisanpassung zu erfragen (Selbst-Monitoring).

Wie sinnvoll ist Selbstkontrolle?

Ein Cochrane-Review hat 28 Studien mit knapp 9.000 Teilnehmern herangezogen, um zu untersuchen, wie effizient die Möglichkeit des Selbstmanagements im Vergleich zu Standard-Monitoring durch den Arzt bzw. in einer Klinik ist. Evidenz mit moderater Qualität zeigte: Wenn Betroffene ein Selbst-Monitoring oder Selbstmanagement durchführen, halbiert sich das Risiko thromboembolischer Ereignisse, also beispielsweise die Bildung eines gefährlichen Blutgerinnsels.Das Risiko schwerer Blutungen ging dadurch jedoch im Vergleich zu herkömmlicher Überwachung durch den Arzt nicht zurück. Selbst-Monitoring konnte die Sterblichkeit nicht verringern, Selbstmanagement schon.

Nicht für alle Betroffenen geeignet

Die Autoren folgern, dass Selbst-Monitoring und Selbstmanagement die Qualität der Antikoagulationstherapieverbessern. Beide Formen sind aber nur für Patienten geeignet, die motiviert sind, sie verlässlich umzusetzen, und darin gut geschult sind.

 

Hier geht’s zur deutschen Übersetzung des Reviews:

http://www.cochrane.org/de/CD003839/selbst-monitoring-und-selbstmanagement-bei-einer-oralen-antikoagulatonstherapie

Autorin: Mag. Dr. Doris Simhofer

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