Nikotinersatz

Ausgequalmt – Nikotinersatztherapie hilft beim Rauchstopp

Das Thema Rauchen ist in Österreich gerade hoch aktuell. Dass die Regierung das geplante Rauchverbot in der Gastronomie wieder gekippt hat, erhitzt viele Gemüter. Doch auch ohne ein Rauchverbot wächst bei vielen Rauchern und Raucherinnen der Wunsch ihrem Laster endgültig abzuschwören. Häufig werden dazu Hilfsmittel wie Nikotinkaugummi oder Nikotinpflaster verwendet, doch wie hilfreich sind solche Maßnahmen?

Jeder vierte Österreicher* ab 15 Jahre greift täglich zur Zigarette; weitere 6 % machen das gelegentlich. Am häufigsten wird in jungen Jahren geraucht. Bei den 15-29-Jährigen zünden sich 39 % täglich oder gelegentlich eine oder mehrere Zigaretten an. Mit der Zeit wächst aber bei vielen der Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören. In Österreich hat dies zumindest im letzten Jahr jeder dritte Raucher probiert. Bei den über 60-Jährigen sogar fast jeder Zweite. In Deutschland und der Schweiz wird etwas weniger geraucht:

In der Schweiz rauchten 2016 25 % der über 15-Jährigen. Bei Männern ist Rauchen beliebter als bei Frauen. Rund 30 % der Männer und 21 % der Frauen rauchen.
In Deutschland raucht jeder dritte Mann und jede vierte Frau. Hier ist der Anteil der Rauchenden bei den Jüngeren (18-29 Jahre) mit 35 % am höchsten. Bei Männern sinkt Rauchquote ab 45 Jahren, bei Frauen erst ab 65 Jahren.

Warum der Rauchstopp so schwer fällt

Doch warum fällt es vielen so schwer mit dem Rauchen aufzuhören, wo die gesundheitlichen Risiken wie Lungenkrebs und erhöhte Sterblichkeit so gut belegt sind? Schuld daran ist insbesondere der Inhaltsstoff Nikotin. Dieses Suchtmittel ist natürlicher Bestandteil der Blättern der Tabakpflanze und führt zur Freisetzung von Botenstoffen im Gehirn, die kurzfristig Glücksgefühle erzeugen. Der Körper gewöhnt sich daran und verlangt nach Nikotinnachschub. Dazu kommen Rituale, die häufig mit dem Rauchen antrainiert werden, wie die Zigarettenpause bei der Arbeit zusammen mit Kollegen oder das Rauchen beim Ausgehen mit Freunden. Diese Verknüpfung des Rauchens mit angenehmen Situationen erhöht den Belohnungseffekt von Zigaretten und führt schnell zu psychischer Abhängigkeit.

Erleichterung beim Rauchstopp

Beim Versuch mit dem Rauchen aufzuhören, fehlt dem Körper Nikotin. Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit, Schlafstörungen, gesteigerter Hunger und schlechte Stimmung können die Folge sein. Für viele sind diese Symptome Grund genug den Rauchstoppversuch nach ein paar Tagen wieder abzubrechen. Nikotinersatztherapie, wird daher häufig verwendet, um die Entzugserscheinungen beim Rauchstopp zu lindern und das Aufhören zu erleichtern. Im Zuge der Nikotinersatztherapie werden dem Körper kleine Dosen Nikotin beispielsweise über Nikotinsprays oder Nikotinkaugummis zugeführt.

Wie wirksam Nikotinersatztherapie dabei hilft, dauerhaft vom Rauchen loszukommen, hat ein Team von Cochrane Autoren aus Großbritannien unter die Lupe genommen. Sie haben systematisch nach Studien gesucht, die die Wirksamkeit von Nikotinpflaster, -kaugummis, -sprays, und -tabletten als Unterstützungsmaßnahme beim Rauchstopp untersucht haben. Insgesamt wurden 136 Studien mit 64.000 Menschen herangezogen. Alle Studienteilnehmer wollten mit dem Rauchen aufhören und rauchten bis zum Beginn der Studie im Schnitt 15 Zigaretten täglich. Sechs Studien untersuchten die Raucherentwöhnung bei Schwangeren.

Alle Formen der Nikotinersatztherapie helfen

Alle Formen der Nikotinersatztherapie führten häufiger dazu, dass Personen langfristig (mindestens sechs Monate) mit dem Rauchen aufhörten. Die Chance, den Zigaretten dauerhaft abzuschwören war 50 %-60 % höher wenn Nikotinersatztherapie verwendet wurde, verglichen mit keiner Unterstützung. Interessanterweise war die Wirkung von Nikotinersatztherapie unabhängig von der Intensität der Begleitmaßnahmen (z.B. Beratung) und dem Umfeld.

Nebenwirkungen hängen von der Art der Nikotinersatztherapie ab. Bei Nikotinpflastern berichteten einige Personen von Hautirritationen, bei Nikotinkaugummis und –sprays erlebten einige Personen Irritationen der Schleimhaut im Mund. Es gibt keinen Hinweis, dass durch Nikotinersatztherapie das Risiko für Herzinfarkte steigt. Allerdings berichteten mehr Personen in der Nikotinersatzgruppe von Brustschmerz und Herzrasen. Bei Schwangeren erhöhte Nikotinersatztherapie ebenfalls die Chancen bis zum Zeitpunkt der Geburt, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Qualität der zugrundeliegenden Studien ist hoch.

Fazit

Die aktuelle Studienlage zeigt, dass alle Formen von Nikotinersatztherapie (Nikotinpflaster, Nasenspray, Inhalator, Tabletten) die Chancen für einen erfolgreichen Rauchstopp erhöhen. Die Autoren dieses Cochrane Reviews schätzen die Aussagekraft der Studien sogar so hoch ein, dass sie davon ausgehen, dass zukünftige Studien dieses Ergebnis nicht verändern werden.
Wer also schon länger damit kämpft von Zigaretten loszukommen, könnte beim nächsten Anlauf Nikotinersatztherapie versuchen.

Link zum Cochrane Review:
http://cochranelibrary-wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD000146.pub5/abstract

PS: Rauchverbot in der Gastronomie
Wer gerne mehr darüber lesen möchte, warum ein Rauchverbot in der Gastronomie sinnvoll ist, kann das hier nachlesen: Schützen die nationalen Rauchverbote die Nicht-Raucher?

Text: Barbara Nußbaumer-Streit

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

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