Qualität bei Gesundheitsinformationen ist möglich

Fragwürdige Gesundheitsinformationen haben im Internet Hochkonjunktur. Objektive Angebote davon zu unterscheiden ist alles andere als leicht. Eine neue App will helfen und bietet ausschließlich Informationen vertrauenswürdiger Anbieter.

Medizinische Laien haben es ziemlich schwer, im Internet gute Gesundheitsinformationen zu finden. Wer etwa mit triefender Nase Dr. Google oder Dr. Bing nach „Schnupfen behandeln“ fragt, wird mit einer langen Liste an Treffern erschlagen. Dabei machen die Suchmaschinen keinen Unterschied zwischen evidenzbasierten Informationen und Seiten, die bloß Werbung enthalten.

Bei manchen der gefundenen Empfehlungen merken Ratsuchende hoffentlich, dass es sich um medizinischen Unsinn handelt: etwa die Ratschläge von heilpraxis.de, für 24 Stunden nichts zu trinken und sich gleichzeitig körperlich zu betätigen, oder aber ein Glas Wasser mit verdünnter Jodtinktur zu trinken.

Andere Informationen klingen auf den ersten Blick schon plausibler. Wenn etwa erkaeltung-online.com  Schleimhaut-abschwellende Nasensprays und –tropfen prominent empfiehlt, vermuten jedoch nur wenige, dass der Text im Auftrag eines Pharmaunternehmens geschrieben sein könnte. Dass solche Präparate bei längerer Anwendung den Schnupfen sogar verstärken können, liest man erst weiter unten auf der Seite. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Unruhe und Schlafstörungen verschweigt der Text völlig.

Woher sollen Internet-User nun wissen, welche Informationsangebote vertrauenswürdig sind und wissenschaftliche Erkenntnisse ausgewogen und objektiv wiedergeben?

Vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen bündeln

Hier will die kostenlose App MedBusters helfen. Ziel der Anwendung für Mobilgeräte ist es, qualitätsvolle Gesundheitsinformationen im deutschsprachigen Internet sichtbarer zu machen, indem sie diese gebündelt über eine einzige Oberfläche zugänglich macht. Neben einer umfangreichen Suchfunktion benachrichtigt MedBusters auch, wenn im abonnierten Themengebiet ein neuer Beitrag erschienen ist.

Vorerst bündelt die App lediglich die Informationen von zwei Anbietern, welche die technischen Voraussetzungen dafür erfüllen: jene von www.medizin-transparent.at (Cochrane Österreich, Donau-Universität Krems) sowie die Inhalte von www.gesundheitsinformation.de des Deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). In Zukunft sollen jedoch weit mehr qualitätsgesicherte und evidenzbasierte Inhalte für Laien technisch fit für die Integration in die App werden. Das Konzept für die Medbusters-App stammt zu einem Großteil von diesen beiden Instituten. Programmiert und entwickelt wurde sie vom Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, welcher auch die Serverinfrastruktur im Hintergrund zur Verfügung stellt.

Nutzer und Nutzerinnen dieser App können sicher sein, dass sie darin nur vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen finden, die sowohl evidenzbasiert als auch für laienverständlich formuliert sind. Schließlich werden nur Inhalte von Anbietern in die App aufgenommen, welche die Kriterien der Guten Praxis Gesundheitsinformation des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin erfüllen.

Kriterien für gute Gesundheitsinformation

Diese Kriterien bieten eine ausführliche Grundlage, um qualitätsgesicherte Gesundheitsinformationen als solche zu kennzeichnen und zu bündeln. Anbieter solcher Gesundheitsinformationen verpflichten sich mit der Unterzeichnung dieses Kriterienkatalogs zur Erfüllung folgender Bereiche:

Evidenzbasiertes Vorgehen: Die Informationen müssen evidenzbasiert, also wissenschaftlich belegt sein und die gesamte Studienlage berücksichtigen. Zudem muss die Auswahl der wissenschaftlichen Studienergebnisse begründet und für Patientinnen und Patienten relevant sein. Wirbt beispielsweise ein Text damit, dass ein Produkt den Blutdruck senkt, ist das kaum relevant, wenn nicht auch belegt ist, dass das Mittel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken vermag. Auch wissenschaftliche Quellenangaben sind verpflichtend.

Angemessene sprachliche Darstellung: Der Text darf Risiken weder verharmlosen noch Behandlungen unkritisch in den Himmel loben. Ist eine Therapie wenig erforscht und daher die Wirksamkeit nicht gut gesichert, muss diese Unsicherheit erwähnt werden. Wichtig ist auch, dass Zahlen unmissverständlich verwendet werden. Berichtet ein Text beispielsweise von einem um 50 Prozent verringerten Erkrankungsrisiko, überschätzen Leser und Leserinnen oft die Wirksamkeit im Vergleich dazu, wenn absolute Zahlen genannt sind: etwa wenn im Beispiel erwähnt wird, dass 2 von 1000 Personen normalerweise erkranken, mit vorbeugender Behandlung aber nur 1 von 1000 Personen (denn auch das ist eine Verringerung um 50 Prozent). Auch relevant ist: was passiert, wenn ich auf eine Therapie verzichte? Werde ich möglicherweise dennoch ähnlich rasch wieder gesund?

Transparenz: Angeführt werden müssen Herausgeber der Gesundheitsinformation, wer den Text geschrieben hat und welche Qualifikation diese Person besitzt. Auch mögliche Interessenskonflikte dürfen nicht verschwiegen werden – etwa falls die Webseite sich durch Werbung von Pharmaunternehmen finanziert.

Berücksichtigung der Zielgruppe: Qualitätsvolle Gesundheitsinformationen müssen verständlich sein und sollten bei der Erstellung Betroffene miteinbeziehen. Ist der Verlauf oder die Behandlung einer Krankheit bei Jüngeren etwa anders als bei Älteren, oder gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen, soll das erwähnt werden.

Umgang mit Empfehlungen: Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Die Texte verzichten klar auf Empfehlungen und liefern Betroffenen lediglich nüchterne Fakten, um selbst entscheiden zu können. Die andere Option wäre, Empfehlungen klar von den neutralen Informationen zu trennen.

Formelles: Leser und Leserinnen müssen erkennen können, ob die Infotexte veraltet oder auf einem aktuellen Stand sind. Zudem müssen Herausgeber von Gesundheitsinformationen in einem Methodenpapier beschreiben, wie die Informationen erstellt werden.

Weitere Anbieter, welche die genannten Kriterien erfüllen, sind unter anderem:

• Die Faktenboxen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, welche auf den Seiten des Hauptverbands der Österreichischen Sozialversicherungsträger www.hauptverband.at/faktenbox oder auf den Seiten der AOK https://www.aok.de/inhalt/faktenboxen-gesundheit/ zu finden sind.

• Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsinformationszentrums (www.krebsinformationsdienst.de).

• Die Kurzinformationen und PatientInnen-Leitlinien auf der Seite www.patienten-information.de der Deutschen Bundesärztekammer und der kassenärztlichen Bundesvereinigung.

• Der IGEL-Monitor (www.igel-monitor.de), welcher „Individuelle GEsundheitsLeistungen“ auflistet, die von Deutschen Krankenkassen nicht bezahlt werden.

Autor: MMag. Bernd Kerschner, Projektleiter www.Medizin-Transparent.at

 

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