„O du fröhliche“ – Musiktherapie bei Depression

Für viele Menschen ist Weihnachten eine ‚lichte’ Zeit, die für besinnliche Stunden in Gemeinschaft mit Familie und Freunden bestimmt ist. Doch für Menschen, die Weihnachten alleine verbringen, kann diese Zeit bedrückend sein. Sie fühlen sich womöglich noch einsamer als sonst. Für Menschen, die unter Depressionen leiden, könnte Weihnachten zu einer äußerst düsteren Zeit werden.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 300 Millionen Menschen an einer Depression, Tendenz steigend. Gemäß der deutschen Depressionshilfe ist in Deutschland etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen. Im Jahr 2014 ergab eine Befragung in Österreich, dass rund 6 % der Männer und 10 % der Frauen im Jahr davor an einer Depression litten. In der Schweiz gaben rund 6 % der Männer und 7 % der Frauen in der Gesundheitsbefragung von 2012 an, an einer Depression zu leiden. Hauptkennzeichen der häufigen Erkrankung sind Stimmungsänderungen, Antriebslosigkeit, Angstzustände sowie Verlust der Lebensfreude.

Auch wenn die Weihnachtszeit manchmal als emotional aufgeladen wahrgenommen wird und somit Stimmungsschwankungen hervorrufen kann, bieten viele weihnachtliche Traditionen Möglichkeiten sich etwas Gutes zu tun. Musik zum Beispiel spielt während der Weinachtzeit eine wichtige Rolle. Orchester und Chöre bieten ihre Weihnachtssymphonien an und auch auf den Straßen und Märkten tönt oft Musik. Ein aktueller Cochrane-Review befasste sich mit dem Thema „Musik“ und gibt Hinweise, dass Musiktherapie sich positiv auf Menschen mit Depressionen auswirkt.

Musiktherapie bei Depression

Musiktherapie umfasst regelmäßige Treffen mit qualifizierten MusiktherapeutInnen, mit dem Ziel, die Stimmung durch den musikalischen Ausdruck von Emotionen zu verbessern. Ein Cochrane-Review untersuchte, ob Musiktherapie hilft, Depressionen zu mildern.

Der Review beinhaltet neun Studien mit insgesamt 421 Menschen jeder Altersgruppe, von Jugendlichen bis hin zu älteren Personen. Die eingeschlossenen Studien verglichen die Wirkung der Musiktherapie mit üblicher Behandlung bei Depression. Diese sogenannte übliche Behandlung bestand in den Studien aus einer Kombination aus verschiedenen Therapien oder Aktivitäten, wie z. B. Psychotherapie, Medikamente oder Ergotherapie. Außerdem wurden die Unterschiede zwischen zwei verschiedenen Formen der Musiktherapie untersucht: bei der aktiven Musiktherapie sangen oder musizierten die TeilnehmerInnen selbst, bei der passiven Musiktherapie hörten sie innerhalb des Therapieprogrammes der Musik zu.

Kann Musik Depression lindern?

Es gibt Hinweise darauf, dass Musiktherapie depressive Symptome und Ängste mildern und Betroffenen dabei helfen kann, die Berufsfähigkeit sowie persönliche Beziehungen aufrecht zu erhalten und aktiv am Leben teilzunehmen.

Musiktherapie in Kombination mit der Standardtherapie scheint dabei wirksamer zu sein als die Standardtherapie alleine, sowohl bei klinisch-diagnostizierten depressiven Symptomen sowie als auch bei selbstberichteten Symptomen, und auch die Nebenwirkungen unterscheiden sich nicht.

Ein wichtiger Punkt für den Erfolg der Musiktherapie ist jedoch die aktive und aufmerksame Teilhabe der TeilnehmerInnen während des Therapie-Prozesses, ganz gleich ob es sich um die aktive oder die passive Variante der Musiktherapie handelte.

Welche der beiden Varianten, also aktiv musizieren oder der Musik innerhalb des Programmes zuzuhören, die bessere ist, geht aus dem Cochrane Review nicht hervor, da die Anzahl an identifizierten Studien und Teilnehmern zu gering sind, um eine sichere Aussage treffen zu können.

Die Auswirkungen von Musiktherapie auf die Gesundheit wurden bereits im Jahr 2011 in einem anderen Cochrane-Review untersucht. Darin wurde der Frage nachgegangen, ob Musiktherapie eine positive Wirkung auf Ängste, Schmerzen und Müdigkeit bei Krebspatienten hat. Auch hier fanden die AutorInnen einige positive Auswirkungen dieser Therapieart.

Fazit

Es gibt Hinweise, dass sich Musiktherapie positiv auf die Symptome einer Depression auswirkt. Zwar müssten diese Hinweise durch weitere Studien bestätigt werden, dennoch ist Musik im Allgemeinen sicher eine gute Möglichkeit, um sich in der Weihnachtszeit wohl(er) zu fühlen.

Text: Anette Blümle

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