Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz macht vor keiner Branche und Berufsgruppe halt. Das systematisch verletzende Verhalten der Kollegen oder Vorgesetzten kann bei Betroffenen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen und auch negative Folgen für Arbeitgeber mit sich bringen. Immer häufiger werden von Arbeitgebern Maßnahmen ergriffen, die Mobbing am Arbeitsplatz vorbeugen sollen. Doch wie wirksam sind diese?

Wenn Arbeitskollegen und Vorgesetzte sich über einen lustig machen, böse Gerüchte verbreiten, einen benachteiligen, wie Luft behandeln, beschimpfen oder schikanieren, so können das alles Formen von Mobbing sein. Insbesondere dann, wenn das verletzende Verhalten über einen längeren Zeitraum systematisch praktiziert wird und das Mobbing-Opfer sich nicht wehren kann.

Aber nicht jedes gemeine Wort, nicht jede Kritik ist gleich Mobbing. Die Abgrenzung fällt oft schwer. Eine rechtliche Definition von Mobbing gibt es aktuell noch nicht. Die Wirtschaftskammer Österreich definiert Mobbing als „ein Verhalten unter Arbeitnehmern, das darauf abzielt, eine Person zu verletzen, einzuschüchtern, zu entmutigen, auszugrenzen oder aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen. Mobbing kann auch von Vorgesetzten ausgehen oder sich gegen solche richten.“ In der Schweiz fügt das Staatssekretariat für Wirtschaft noch einen zeitlichen Aspekt zur Definition hinzu und spricht erst dann von Mobbing, wenn dieses Verhalten „mindestens einmal in der Woche und mindestens seit sechs Monaten vorkommt.“

Häufigkeit und Auswirkung von Mobbing

Mobbing ist jedenfalls kein seltenes Phänomen (siehe Infozeile). Personen, die Mobbing ausgesetzt sind, leiden häufiger an  Depressionen, Ängsten, sind unzufriedener mit ihrer Arbeit und verlassen oft das Unternehmen, was wiederum negativ für den Arbeitgeber sein kann, wenn er einen fähigen Mitarbeiter verliert. Einige Arbeitgeber versuchen Mobbing am Arbeitsplatz noch vor dessen Entstehung zu verhindern. Doch wie wirksam sind diese Maßnahmen?

 

Infozeile: Mobbing Häufigkeit im deutschsprachigen Raum:

Österreich: von 500 befragten Österreichern und Österreicherinnen haben zwei Drittel Mobbing am Arbeitsplatz bereits miterlebt
Deutschland: Von 529 Befragten war ungefähr jeder siebte Berufstätige schon einmal ein Mobbing-Opfer
Schweiz: In einer Schweizer Gesundheitsbefragung von 2012 wurden 12 277 Personen bezüglich „Einschüchterung, Belästigung, Mobbing“ befragt und hier gaben 6.8% der Befragten an, in den letzten 12 Monaten persönlich Mobbinghandlungen erlebt zu haben.

Maßnahmen um Mobbing zu verhindern bzw. zu reduzieren

Ein Team von Cochrane Autoren hat sich dieser Frage angenommen und untersuchte, wie wirksam verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung von Mobbing am Arbeitsplatz sind. Sie waren sowohl an Interventionen interessiert, die sich an individuelle Arbeitnehmer richteten, als auch an solchen, die sich an Gruppen oder die gesamte Organisation richteten. Insgesamt identifizierten die Autoren fünf Studien mit Daten von 4116 Teilnehmern. Maßnahmen auf Organisationsebene, die zu einer Veränderung der Unternehmenskultur beitragen sollten, führten zu einem Anstieg an höflichem Verhalten. Maßnahmen auf individueller Ebene zeigten teilweise Wirkung. Während „expressive Schreibübungen“ zu einer Reduktion von Mobbing-Verhalten im Unternehmen führten, zeigte eine kognitiv-verhaltensbasierte Schulung keine signifikanten Veränderungen im Verhalten. Maßnahmen, die auf mehreren Ebenen ansetzten (Kombination aus Schulung und Richtlinienveränderung) konnten keine signifikanten Veränderungen zeigen.

Fazit

Der Review gibt Hinweise, dass Maßnahmen auf Organisations- und individueller Ebene Mobbing am Arbeitsplatz vorbeugen können. Die Qualität der Evidenz ist jedoch sehr niedrig. Gut gemachte Studien zu verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen wären wünschenswert. Zur Zusammenfassung des Cochrane Reviews auf  Cochrane Kompakt.

Text: Barbara Nußbaumer-Streit

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