schlaganfall

Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall: hilft die kognitive Rehabilitation?

Beim Stichwort Schlaganfall denken viele zuerst an Lähmungen. Aber neben den körperlichen Fähigkeiten können auch die kognitiven Fähigkeiten stark beeinträchtigt sein. Ein Cochrane-Review hat untersucht, wie wirksam Maßnahmen zur Rehabilitation des Gedächtnisses nach einem Schlaganfall sind.

Plötzlich bleibt ein Blutgerinnsel irgendwo in einer kleinen Ader des Gehirns stecken und führt zu einer Minderdurchblutung, durch die Gehirnzellen absterben können. Oder ein kleines Blutgefäß im Gehirn platzt und es kommt zu einer Blutung. Beide Ereignisse nennt man landläufig Schlaganfall. Die Symptome treten „wie auf einen Schlag“ auf: ein Taubheitsgefühl oder eine Lähmung in Gesicht, Armen oder Beinen oder eine Sprachstörung, Sehen von Doppelbildern oder Probleme bei der Koordination. In den Industrieländern ist der Schlaganfall zudem die dritthäufigste Todesursache nach Herzerkrankungen und Krebs. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Schlaganfälle für rund 6 % aller Todesfälle verantwortlich. Wird ein Schlaganfall jedoch rechtzeitig erkannt und behandelt, können sich die Symptome zurückbilden. Auch im höheren Alter ist das Gehirn flexibel genug um durch gezieltes Training zu lernen und betroffene Funktionen ganz oder teilweise zurückzugewinnen.

Gedächtnis-Rehabilitation als Therapie

Wenig bekannt ist, dass die Betroffenen neben den körperlichen auch mit kognitiven Beschwerden wie Gedächtnisproblemen und Stimmungsschwankungen zu kämpfen haben. Auch Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit ähnlich wie bei Demenzerkrankungen kommen vor. Das kann zu vielen Schwierigkeiten im alltäglichen Leben führen und die Betroffenen abhängig von der Hilfe durch Angehörige oder Pflegende machen. Dabei hängen die Art und das Ausmaß der Gedächtnisbeeinträchtigung vom Schweregrad der Hirnschädigung, dem Alter und dem vorherigen Gesundheitszustand ab. Bei Schlaganfallpatienten werden kognitive Rehabilitationsprogramme eingesetzt, in denen beispielsweise Gedächtnisübungen gemacht oder Merksprüche eingeübt werden, um die Gedächtnisleistungen zu verbessern.

Ein neuer Cochrane-Review prüft die Wirksamkeit kognitiver Rehabilitation bei Menschen, die nach einem Schlaganfall von Gedächtnisproblemen betroffen sind. Die Autoren fanden 13 Studien mit insgesamt 514 Teilnehmern, deren Durchschnittsalter zwischen 31 und 68 Jahren lag und die entweder zuhause oder im Krankenhaus behandelt wurden. Die Patienten nahmen entweder einzeln oder in Gruppen an den Übungen teil und erhielten in einem Zeitraum von zwei bis zehn Wochen verschiedene Arten von Gedächtnistraining. Dabei wurde jede Form von Therapie, die die Gedächtnisfunktion verbessern könnte, als Gedächtnis-Rehabilitation eingestuft. Bei „internen“ Hilfestellungen stand das Erlernen von Eselsbrücken, Sprechübungen und bildlichen Vorstellungen im Vordergrund. „Externe“ Hilfsmittel wie Tagebücher oder Kalender sollten beim Erinnern und beim Abrufen von Information helfen. In den Kontrollgruppen bekamen die Patienten keine solchen gezielten Therapien zur Verbesserung der Gedächtnisleistung, jedoch verschiedene andere Reha-Maßnahmen.

Um herauszufinden, ob die Teilnehmer mit der Reha bessere Ergebnisse erzielten als die jeweilige Kontrollgruppe, benutzten die Forscher subjektive Bewertungen und objektive Messungen der Gedächtnisfunktionen. So wurden sowohl kurz- wie auch langfristige Wirkungen auf die Gedächtnisleistung, funktionelle Fertigkeiten, die Stimmung und die Lebensqualität betrachtet.

Wirkung kurzfristig und nicht objektiv messbar

Im Vergleich zu den Kontrollgruppen war die Verbesserung der subjektiven Gedächtnisleistung mit der Reha nur kurzfristig – etwa in den ersten vier Wochen nach der Behandlung – nachweisbar. Es gab keine ausreichende Evidenz, dass diese Verbesserung länger anhielt zum Beispiel wenn die Studienteilnehmer nach drei Monaten oder später erneut befragt wurden. Die Review-Autoren fanden keine signifikante kurz- oder langfristige Wirkung auf objektive Gedächtnistests oder funktionelle Fertigkeiten. Auch schien es keine Verbesserungen bezüglich Unabhängigkeit im alltäglichen Leben, Stimmung oder Lebensqualität der Betroffenen zu geben. Der Nutzen von Gedächtnis-Rehabilitation nach einem Schlaganfall war also, wenn überhaupt, nur subjektiv vorhanden und nicht von Dauer. Dies heißt nun nicht, dass in der Rehabilitation von Menschen nach einem Schlaganfall nicht auch versucht werden sollte, vorhandene Gedächtnisprobleme anzugehen. Leider war die Anzahl und Qualität der bisherigen randomisiert-kontrollierten Studien in diesem Bereich jedoch nicht ausreichend, um eine klare evidenzbasierte Empfehlung auszusprechen.

Text: Stephanie Heyl und Erik von Elm

Hier geht´s zum Cochrane Review: http://www.cochrane.org/CD002293/STROKE_cognitive-rehabilitation-memory-deficits-after-stroke

2 Antworten
  1. Volker
    Volker says:

    Aufgrund des letzten Satzes frage ich mich, was dieser Bericht soll? Der bringt doch nur Unsicherheiten, ob das, was man als Ergo macht, hilft oder nicht… Meiner Meinung nach sollten solche Berichte erst veröffentlicht werden, wenn es klare Studien mit reichlich Probanden/Betroffenen und entsprechender langfristiger Forschung etc. gibt.

    Antworten
    • Valérie Labonté
      Valérie Labonté says:

      Sie sagen es! Es besteht Unsicherheit darüber, ob bestimmte Maßnahmen der kognitiven Rehabilitation nach einem Schlaganfall helfen oder nicht. Um diese Aussage zu treffen, wurden alle bisher durchgeführten randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zur Fragestellung in den systematischen Review eingeschlossen. Dass man zum jetzigen Zeitpunkt keine klare evidenzbasierte Empfehlung aussprechen kann, bedeutet genau das, was Sie fordern: Es müssen mehr RCTs mit ausreichender Zahl an Studienteilnehmern durchgeführt werden, um zu einer eindeutigen und verlässlichen Empfehlung zu kommen. Dass Evidenz fehlt, bedeutet nicht, dass es keinen Effekt gibt. Es bedeutet nur, dass man (noch) keine gesicherte Aussage über den Effekt und seine Stärke treffen kann.

      Über diese uneindeutigen Ergebnisse nicht zu berichten, wäre allerdings auch nicht richtig. Werden Therapien, deren gesundheitlicher Nutzen nicht nachgewiesen ist vom Gesundheitssystem bezahlt, entsteht zum Nachteil aller Versicherten eine Situation der Überversorgung. Begrenzte Mittel dienen dann der Finanzierung möglicherweise nutzloser (oder sogar schädlicher) Maßnahmen, während an anderer Stelle Mittel für nachgewiesenermaßen wirkungsvolle Therapien fehlen.

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