Die Geschichte hinter dem Cochrane-Logo

Das Cochrane-Logo spiegelt die Ergebnisse eines Systematischen Cochrane Reviews mit Kultcharakter wider. In dem Review von 1989 ging es um die Frage, ob die Reifung der Lungen bei Frühgeborenen durch die Gabe von Kortikosteroiden unterstützt werden kann. Ein findiger Cartoonist kreierte aus den Studienergebnissen ein prägnantes Logo.

Beauftragt wurde der Cartoonist David Mostyn vor 24 Jahren von Iain Chalmers, einem britischen Arzt, Gesundheitsforscher und einem der Gründer der ursprünglichen Cochrane Collaboration. Anlass war die Eröffnung des britischen Cochrane Zentrums. Mostyn arbeitete sich durch einen systematischen Review von Patricia Crowley in dem die Wirksamkeit der pränatalen Gabe von Kortikosteroiden auf die Sterblichkeit bei Frühgeborenen untersucht wurde.
Bei Frühgeborenen kommt es häufig zu Atembeschwerden, da (unter anderem) ihre Lungen oft noch nicht vollständig ausgereift sind. Man vermutete damals, dass die Überlebenschancen von Frühgeborenen erhöht werden können, wenn der Mutter kurz vor der Geburt intravenös ein Kortikosteroid verabreicht wird, das die Lungenreifung ihres Kindes fördern kann. Deshalb analysierte Crowley 1989 Studien zum Thema, die bereits von 1972 bis 1981 durchgeführt worden waren, aber jeweils verschiedene Schlussfolgerungen zogen. Crowley’s Gesamtergebnis (Metaanalyse) zeigte dann, dass die Sterblichkeit von Frühgeborenen durch Kortikosteroidgabe um 30-50 Prozent verringert werden konnte. Mehreren Tausend Frühgeborenen hätte diese Behandlung also das Leben gerettet, wäre dieser Review früher durchgeführt und seine Schlussfolgerung  konsequent umgesetzt worden.

Der Cartoonist Mostyn abstrahierte Crowleys wissenschaftliche Darstellung der Ergebnisse der Metaanalyse und umrandete sie mit den Initialen der Cochrane Collaboration. Die horizontalen Balken stehen jeweils für das Ergebnis einer einzelnen Studie, die in die Metaanalyse einfloss und die statistisch mit allen anderen Studien kombiniert wurde. Je länger die Linie jeder einzelnen Studie, desto ungenauer ist ihr Ergebnis. Die Raute ganz unten symbolisiert das Gesamtergebnis dieser Metaanalyse. Die vertikale Linie hilft die Ergebnisse zu interpretieren: alle Studienergebnisse, die eindeutig links dieser Linie liegen bedeuten (per Definition), dass die pränatale Gabe von Kortikosteroiden die Sterblichkeit bei Frühgeborenen senkt. Studien, die die Linie schneiden, konnten keine eindeutigen Schlüsse ziehen, lieferten aber wertvolle Daten für das Gesamtergebnis, das ebenfalls eindeutig links der Linie liegt. Das bedeutet, dass die Studienergebnisse insgesamt zeigen, dass die Gabe von Kortikosteroiden wirksam ist und die Sterblichkeit bei Frühgeborenen senkt. (Wäre das Logo spiegelverkehrt würde das – in diesem Fall – bedeuten, dass die Kortikosteroidgabe die Sterblichkeit nicht senkt im Vergleich zu keinem oder einem anderen Medikament.)

Seit den 1990ern wurden vermehrt Kortikosteroide zur Lungenreifung bei Frühgeburten eingesetzt, was seither vermutlich schon Tausenden Babys das Leben gerettet hat oder sie zumindest vor Komplikationen bewahren konnte. Die Ergebnisse der ursprünglichen Metaanalyse wurden 2006 unter Einbeziehung von neueren Studien von Roberts und Dalziel bestätigt (hier geht’s zur aktualisierten deutschen Zusammenfassung). Allerdings ist nichts in Stein gemeißelt und die aktuelle Evidenzlage scheint sich zu ändern: für Länder mit schwachen Einkommen beispielsweise empfiehlt die WHO heutzutage Kortikosteroidgabe nur unter bestimmten Voraussetzungen wie beispielsweise einer ausreichend ausgestatteten Neugeborenenpflege. Mehr dazu gibt‘s in einem der nächsten Beiträge.

Text: Stephanie Heyl, red.

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