Cochrane – was steckt dahinter?

Zur Arbeit von Cochrane tragen mittlerweile über 37.000 Menschen aus 130 Ländern bei. Wie organisiert sich ein so großes Netzwerk und wer gibt hier die Richtung an? Seit Jahresbeginn sind Direktoren von Cochrane Deutschland, Cochrane Österreich und Cochrane Schweiz in den internationalen Entscheidungsgremien von Cochrane vertreten. Ein Anlass für uns die Strukturen und das Management des Netzwerks einmal näher vorzustellen.

Cochrane wurde 1993 von Ian Chalmers und einer rund 70-köpfigen Gruppe internationaler WissenschaftlerInnen gegründet. Ihr Ziel war es verlässliche, evidenzbasierte Informationen in Form von systematischen Reviews im Gesundheitswesen zu erstellen. Seitdem ist viel passiert. Inzwischen wirken mehr als 37.000 Menschen bei Cochrane mit. Der Großteil von ihnen sind enthusiastische und engagierte Gesundheitsfachleute, die als AutorInnen von Cochrane Reviews wissenschaftliche Studien zu vorher bestimmten Fragestellungen suchen und zusammenfassen. Diese Reviews sollen ausgewogene und evidenzbasierte Grundlagen für gesundheitsrelevante Entscheidungen schaffen. Fast alle AutorInnen arbeiten unbezahlt an den Reviews – ihre Motivation ist die Versorgungsqualität zu optimieren. Als gemeinnützige und unabhängige Organisation akzeptiert Cochrane keine finanzielle Förderung, die mit Interessenskonflikten behaftet sein könnte.

Das Netzwerk rund um Cochrane Reviews

Das Hauptprodukt von Cochrane sind Cochrane Reviews – sie gelten weltweit als Übersichtsarbeiten von höchster Qualität. Aktuell gibt es bereits mehr als 7.000, deren Zusammenfassungen in der Cochrane Library für jeden zugänglich sind. In der Regel werden Reviews von einem Team aus unterschiedlichen FachexpertInnen (KlinikerInnen, MethodikerInnen, StatistikerInnen) erstellt. Um die Qualität der Arbeiten zu garantieren, unterstützen Review Gruppen den Prozess von Beginn bis zur Veröffentlichung.

Insgesamt gibt es 53 Review Gruppen, die sich auf verschiedene medizinische Themengebiete spezialisiert haben. Jede Review Gruppe bezieht auch Betroffene, wie PatientInnen und Angehörige, in ihre Arbeit ein. Diese helfen beispielsweise bei der Entscheidung, auf welche Aspekte sich die Reviews konzentrieren sollen. Das Cochrane Consumer Network koordiniert die Einbindung dieser Personen in die Arbeit von Cochrane.

Insgesamt 17 Cochrane Methoden-Gruppen erforschen und optimieren Aspekte der Methodik systematischer Übersichtsarbeiten und tragen somit zur ständigen Weiterentwicklung von Cochrane bei.

Die lokale  Basis – Unterstützung und Vermittlung vor Ort

Bei Cochrane sind die aktiven Personen und Gruppen über die ganze Welt verstreut; die meisten Arbeitsschritte in Cochrane Reviews sind nämlich online möglich. Dennoch gibt es lokale Vertretungen wie Cochrane Deutschland, Cochrane Österreich oder Cochrane Schweiz, sogenannte Cochrane Zentren und Netzwerke.

Diese setzen sich für evidenzbasierte Praxis in den jeweiligen Ländern ein und kümmern sich darum, dass Forschungsergebnisse aus Cochrane Reviews lokal verbreitet werden. Sie bieten Schulung für Cochrane AutorInnen und interessierte Gesundheitsfachleute an (Workshopangebot) und führen Forschungsprojekte durch.

Cochrane Management

Eine so große Anzahl an Mitwirkenden, die über den ganzen Erdball verteilt sind, braucht neben unterstützenden Strukturen auch Management. Das Cochrane Board ist das Entscheidungsgremium von Cochrane. Es besteht aus 13 Personen, von denen die meisten selbst Cochrane-Mitglieder sind, also Personen, die aktiv zur Arbeit von Cochrane beitragen (z.B. AutorInnen, EditorInnen, Zentrums-DirektorInnen). Sie werden von anderen Cochrane-Mitgliedern gewählt. Ein kleinerer Teil sind externe Personen, die vom Board aufgestellt werden und neue Ideen einbringen sollen.

Das Board ist verantwortlich dafür, die Entwicklung und Einarbeitung der strategischen Richtung von Cochrane zu steuern. Außerdem beaufsichtigt es die Arbeit des Cochrane Geschäftsführers und des Central Executive Teams, welches die Cochrane Gruppen bei der Entwicklung und Ausführung aller Arbeiten unterstützt, sowie Finanz- und IT-Belange behandelt und Öffentlichkeitsarbeit leistet.

Als Beratergremium gibt es seit Kurzem auch das Cochrane Council. Aufgabe des Councils ist es, allen Cochrane Gruppen eine Stimme in Bezug auf strategische Entscheidungen zu geben. Sie sind sozusagen Interessensvertreter ihrer Gruppe im Cochrane Board und stehen dem Board beratend zur Seite.

Unsere Vertreter in Board und Council

Im Januar 2017 wurde Gerald Gartlehner, Direktor von Cochrane Österreich in das Cochrane Board gewählt. In dieser Funktion will er sich vor allem dafür einsetzen, „dass die angesehene Organisation weiterhin führend in der methodischen Entwicklung und Erstellung qualitativ hochwertiger Evidenzsynthesen bleibt“. Zudem ist es ihm ein Anliegen, dass Informationen aus Cochrane Reviews nicht nur in Englisch, sondern für möglichst viele Menschen in ihrer Muttersprache verfügbar werden.

Jörg Meerpohl, Co-Direktor von Cochrane Deutschland ist bereits seit einigen Jahren aktives Mitglied des Entscheidungsgremiums und hat die Entwicklungen von Cochrane damit maßgeblich mitgestaltet.

Erik von Elm, Co-Direktor von Cochrane Schweiz wurde Anfang des Jahres in das Cochrane Council gewählt. Er vertritt dort die Anliegen aller Cochrane Zentren und berät gemeinsam mit Vertretern anderer Gruppen (AutorInnen, Methodengruppen, etc.) das Cochrane Board.

Was bring die Zukunft?

Eine sich rasch ändernde Umwelt mit neuen Technologien, und Weiterentwicklungen in der Medizin und in Gesundheitssystemen stellt Cochrane vor neue Herausforderungen. Die gemeinsam entwickelte Strategie 2020 gibt die Richtung für die nächsten Jahre vor. Hauptziel des Netzwerks bleibt dabei weiterhin die Erstellung und Verbreitung qualitativ hochwertiger Cochrane Reviews. Was die Zukunft genau bringt, wissen wir natürlich nicht. Doch was wir mit Zuversicht sagen können, ist, dass mit Meerpohl, Gartlehner und von Elm drei engagierte Vertreter aus dem deutschsprachigen Raum die Zukunft von Cochrane aktiv mitgestalten.

Text: Barbara Nußbaumer-Streit

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