Cochrane für eine gesunde Gesellschaft in Europa

Führen kleinere Portionen und Verpackungen dazu, dass Menschen weniger essen? Hilft eine Steuer auf fetthaltige Produkte dabei, dass sich Menschen gesünder ernähren? Oder allgemein: Was kann man tun, um die Gesundheit auf Gesellschaftsebene zu verbessern? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Cochrane Public Health Gruppe mit Sitz in Melbourne, Australien. Seit 2015 gibt es auch in Europa eine Vertretung dieser Gruppe mit Partnerinstitutionen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Aktuell befinden sich in der Cochrane Library (der Datenbank, die alle Cochrane Reviews beinhaltet) fast 100 Cochrane Reviews, die sich mit Fragestellungen rund um Public Health beschäftigen. Die Cochrane Public Health Gruppe unterstützt zum einen die AutorInnen dieser Reviews, zum anderen hilft sie dabei, dass die Ergebnisse sowohl EntscheidungsträgerInnen als auch der breiten Bevölkerung bekannt gemacht werden.

Vertretung in Europa

Um diese Ziele auch im deutschsprachigen Raum stärker zu verfolgen, haben sich Partnerorganisationen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammengetan und 2015 Cochrane Public Health Europa (CPHE) gegründet.

Nach den ersten zwei Jahren Koordination aus München, wird CPHE seit Juni 2017 von Cochrane Österreich koordiniert. Wir unterstützen die Erstellung von Cochrane Reviews indem wir beispielsweise die geplante methodische Herangehensweise in den Reviews prüfen und AutorInnen während der Erstellung der Reviews beratend zur Seite stehen. Wir führen auch Methodenprojekte durch, um zu einer Verbesserung der Public Health-Forschung in Europa beizutragen. Zum Beispiel untersuchen wir gerade, was aus Sicht von EntscheidungsträgerInnen die Public Health-Themen sind, zu denen es am dringendsten einen Cochrane Review braucht (Link zum Studienprotokoll).

Wie kommen die Forschungsergebnisse in die Praxis?

Unsere wohl wichtigste Aufgabe ist die Verbreitung der Ergebnisse von Cochrane Public Health Reviews in Europa, und besonders in den deutschsprachigen Ländern. Denn was helfen Forschungsergebnisse, wenn sie nicht als Grundlage für Entscheidungen herangezogen werden?

Um herauszufinden, wie Cochrane-Evidenz zu Public Health-Themen am besten und effektivsten vermittelt werden, haben Mitglieder von CPHE ein gemeinsames Forschungsprojekt durchgeführt. Wir entwickelten ein kurzes Kommunikationsformat und testeten dieses bei interessierten Stakeholdergruppen – politischen EntscheidungsträgerInnen, deren unterstützende Gremien, Sozialversicherungen, Berufsverbänden und Interessensvertretungen im Public Health-Bereich. Insgesamt wurden 18 Personen in Österreich, Deutschland und der Schweiz in Interviews befragt. Die Befragten fanden es besonders ansprechend, Informationen in verkürzter Form und in deutscher Sprache zu erhalten. Gleichzeitig fanden sie aber eine kondensierte Darstellungsform auf vier Seiten wenig hilfreich. Stattdessen wünschten sie sich eine klare Struktur mit den wichtigsten Informationen, wie die Relevanz für die Praxis und die Kernaussagen auf der ersten Seite. Teilweise hatten sie auch Probleme mit dem Verständnis von statistischen Fachbegriffen. In einer neuen Version wurden die Verbesserungsvorschläge weitgehend umgesetzt. Wir hoffen damit zukünftig Informationen aus Cochrane Reviews so präsentieren zu können, dass sie genau an die Informationsbedürfnisse der EntscheidungsträgerInnen angepasst sind und von ihnen gelesen und genutzt werden.

Und was sagt die Evidenz nun zu den beiden oben erwähnten Fragen?

Der Trick mit der Portionsgröße

Ein häufig gelesener Cochrane Public Health Review hat untersucht, wie sich die von Kindern oder Erwachsenen ausgewählte oder konsumierte Menge an Lebensmitteln, Alkohol oder Tabak verändert, wenn sie größere oder kleinere (beziehungsweise anders geformte) Portionen oder Verpackungen bzw. Essgeschirr bekommen. Insgesamt wurden 72 Studien in den Review eingeschlossen; die meisten untersuchten die Auswirkungen auf den Konsum von Lebensmitteln.

Es zeigte sich, dass die Menge an ausgewählten und tatsächlich konsumierten Lebensmitteln durch eine Verminderung der Größe, der Verfügbarkeit und des Anreizes größerer Portionen, Verpackungen oder Essgeschirrs vermindert werden kann. Die deutsche Zusammenfassung dieses Reviews gibt es hier, einen Beitrag auf Wissen was wirkt hier.

Sind Steuern auf ungesunde Lebensmittel sinnvoll?

Die Zahl der übergewichtigen Kinder und Erwachsenen ist in den vergangenen Jahren weltweit rasant angestiegen. Manche Länder haben mit Steuern auf zuckerhaltige Getränke, fettreiche oder zuckerhaltige Lebensmittel reagiert oder überlegen derartige Steuern einzuführen. Aber was bringen Steuern auf ungesunde Lebensmittel? Kann damit die Adipositasepidemie eingedämmt werden? Diese Frage untersuchen wir gerade in drei Cochrane Public Health Reviews. Anfang 2018 werden die Ergebnisse dazu vorliegen (Links zu den Protokollen: hier, hier und hier).

Alle weiteren Cochrane Reviews und Protokolle zu Public Health-Themen finden Sie in der Cochrane Library.

Deutsche Kurzzusammenfassungen von Cochrane Public Health Reviews finden Sie auf Cochrane Kompakt.

Autorin: Ursula Griebler, PhD MPH

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