Omega-3-Fettsäuren – doch nicht das angepriesene Herz-Wundermittel

Essen ist die beste und wirksamste Medizin, heißt es oft. Und oftmals lösen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Ernährung regelrechte „Gesundheitswellen oder –trends“ in der Bevölkerung aus. Omega-3-Fettsäuren sind zum Beispiel schon länger hoch im Kurs und anscheinend bekannt für ihre positive Wirkung auf Herz und Hirn. Ein aktuell erschienener Cochrane Review stellt diese weitverbreitete Ansicht nun jedoch auf den Kopf.

Das Schöne an Wissenschaft ist, dass sie nichts zementiert, sondern Erkenntnisse immer wieder überprüft, bis sie sich mit ihren Mitteln so nah wie möglich der ‚Wahrheit‘ angenähert hat. Auf diesem Weg werden so manche „Irrtümer“, die vorher als selbstverständlich angenommen wurden, korrigiert. Weiterlesen

Weniger Sitzen im Büro

Bei vielen von uns sieht der Berufsalltag sehr ähnlich aus: Wir sitzen im Büro. Jeden Tag, den ganzen Tag. Das hat sich als ziemlich ungesund herausgestellt. Und auch wenn Meldungen wie „Sitzen ist das neue Rauchen“ die Gefahr übertreiben, mehren sich die Hinweise, dass langes Sitzen die Lebenszeit verkürzt.

Besonders unfair daran ist: Selbst durch regelmäßigen Sport lässt sich diese Risiko nicht beseitigen. Wichtig wäre es also, die tägliche Sitzzeit zu reduzieren. Ein kürzlich aktualisierter Cochrane Review hat untersucht, ob es sinnvolle Maßnahmen gibt, mit denen die im Sitzen verbrachte Arbeitszeit verringert werden kann: Weiterlesen

Viel Angebot, wenig Evidenz: Ernährung und Nahrungsergänzung bei Multipler Sklerose

In diesem dritten Beitrag zu Multipler Sklerose (MS) geht Übersetzerin Brita Fiess auf Reviews zum Thema Ernährung und Nahrungsergänzung bei MS ein, die sie bei einer Recherche in der Cochrane Library identifiziert hat. 

Internet, Buchläden und auch Patientenbroschüren sind generell voll von Ernährungstipps, auch für Multiple Sklerose-Patienten und Patientinnen. Doch helfen diese Ernährungsinterventionen wirklich, den Verlauf einer Multiplen Sklerose zu beeinflussen?

Neben den herkömmlichen medizinischen Behandlungen bei Multipler Sklerose (MS), die in den ersten beiden Artikeln dieser Mini-Serie zu MS und verlaufsmodifizierenden Therapien erwähnt wurden, besteht bei den Betroffenen, die ich kennengelernt habe, meist auch der Wunsch, über so genannte alternative Maßnahmen einen positiven Einfluss auf den Verlauf ihrer Erkrankung zu nehmen. Diese beinhalten unter anderem eine angepasste Ernährung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Deshalb beschloss ich, während meines Übersetzungsprojektes einen genaueren Blick auf dieses Thema und die Evidenz aus Cochrane Reviews zu werfen. Weiterlesen

Living systematic reviews – immer am aktuellsten Stand der Forschung

Es ist aufwändig, systematische Reviews auf dem aktuellen Stand der Forschung zu halten. Bisher werden Reviews, wenn überhaupt, nur in bestimmten Zeitabständen aktualisiert. Eine Gruppe von WissenschaftlerInnen hat sich einen neuen Ansatz überlegt, wie Reviews aktuell bleiben können.

Systematische Reviews verlieren mit der Zeit an Aktualität. In Fachgebieten in denen sehr viel Forschung betrieben wird (z.B. Krebsforschung) kann ein Review schnell überholt sein. Für LeserInnen ist es schwierig zu erkennen, wann Reviews zu alt sind, um den Ergebnissen vertrauen zu können. Denn ohne eine Suche in Literaturdatenbanken und anderen Quellen kann man kaum feststellen, ob es neue, relevante Studien gibt, die der Review noch nicht berücksichtigt hat. Und selbst wenn neue Studien gefunden werden, ist es ohne Durchführung einer Meta-Analyse häufig nicht ersichtlich, ob diese neuen Studien die Ergebnisse des bestehenden Reviews verändern. Weiterlesen

Verlaufsmodifizierende Therapien bei MS – Recap der Cochrane Evidenz

In diesem zweiten von drei Beiträgen zu Multipler Sklerose (MS) teilt die freiwillige Cochrane Übersetzerin Brita Fiess Fakten zu verlaufsmodifizierenden Therapien bei MS, die sie im Laufe ihrer Arbeit in Erfahrung gebracht hat. Sie berichtet über diese Therapieform, da sie der langfristigen Behandlung von MS dient und daher für alle Verlaufsformen von MS von Bedeutung ist.

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, d.h. das Immunsystem des Körpers, das eigentlich dazu dienen soll, diesen vor Krankheitserregern zu schützen, richtet sich gegen den eigenen gesunden Körper. Verlaufsmodifizierende Therapien stellen eine der grundlegenden Therapieformen bei MS dar und wirken direkt auf das Immunsystem. Wie aussagekräftig ist die Evidenz bezüglich dieser Behandlungsform?

Die Ursache, weshalb sich bei MS das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet ist noch nicht abschließend geklärt. Hier sind neben genetischen Faktoren, Umwelteinflüsse, Vitamin-D-Mangel und die Ernährung im Gespräch.

Was jedoch sicher zu sein scheint, ist, dass sich bei MS die für die Immunabwehr des Körpers zuständigen B- und T-Zellen gegen die Substanz richten, die die Nervenfasern umhüllt, das so genannte Myelin. Das Myelin gewährleistet als Schutzhülle, dass die elektrischen Impulse im Nervensystem weitergeleitet werden. Der Angriff der B- und T-Zellen auf die Myelinhülle der Neuronen löst eine Entzündung aus und führt zu verschiedenen Symptomen. Das Auftreten eines oder mehrerer MS-Symptome, die über 24 Stunden hinaus bestehen, wird als Schub bezeichnet. Weiterlesen