Evidenzbasiertes Arbeiten von Anfang an – eine neue Generation von EbM-Enthusiasten wächst heran 

Evidenzbasierte Medizin (EbM) pocht darauf, dass neben der klinischen Erfahrung und den Wünschen der Patienten und Patientinnen auch das aktuellste Wissen aus gut gemachten klinischen Studien bei Entscheidungen berücksichtigt wird. Auch wenn das eigentlich selbstverständlich klingt, ist diese Haltung noch immer nicht umfassend in der klinischen Praxis verankert.

Es dauert in der Tat oft Jahre bis Erkenntnisse aus Studien in die Praxis gelangen, wenn sie es überhaupt bis dahin schaffen*. Oft fehlt die Zeit und manchmal auch das Wissen und nötige Handwerkszeug, um die neuesten Forschungsergebnisse in die Praxis zu integrieren. Für Patienten und Patientinnen kann das im Extremfall bedeuten, dass sie wirkungslose oder sogar schädliche Behandlungen bekommen bzw. wirkungsvolle Behandlungen nicht erhalten. Weiterlesen

Viel Angebot, wenig Evidenz: Ernährung und Nahrungsergänzung bei Multipler Sklerose

In diesem dritten Beitrag zu Multipler Sklerose (MS) geht Übersetzerin Brita Fiess auf Reviews zum Thema Ernährung und Nahrungsergänzung bei MS ein, die sie bei einer Recherche in der Cochrane Library identifiziert hat. 

Internet, Buchläden und auch Patientenbroschüren sind generell voll von Ernährungstipps, auch für Multiple Sklerose-Patienten und Patientinnen. Doch helfen diese Ernährungsinterventionen wirklich, den Verlauf einer Multiplen Sklerose zu beeinflussen?

Neben den herkömmlichen medizinischen Behandlungen bei Multipler Sklerose (MS), die in den ersten beiden Artikeln dieser Mini-Serie zu MS und verlaufsmodifizierenden Therapien erwähnt wurden, besteht bei den Betroffenen, die ich kennengelernt habe, meist auch der Wunsch, über so genannte alternative Maßnahmen einen positiven Einfluss auf den Verlauf ihrer Erkrankung zu nehmen. Diese beinhalten unter anderem eine angepasste Ernährung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Deshalb beschloss ich, während meines Übersetzungsprojektes einen genaueren Blick auf dieses Thema und die Evidenz aus Cochrane Reviews zu werfen. Weiterlesen

Verlaufsmodifizierende Therapien bei MS – Recap der Cochrane Evidenz

In diesem zweiten von drei Beiträgen zu Multipler Sklerose (MS) teilt die freiwillige Cochrane Übersetzerin Brita Fiess Fakten zu verlaufsmodifizierenden Therapien bei MS, die sie im Laufe ihrer Arbeit in Erfahrung gebracht hat. Sie berichtet über diese Therapieform, da sie der langfristigen Behandlung von MS dient und daher für alle Verlaufsformen von MS von Bedeutung ist.

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, d.h. das Immunsystem des Körpers, das eigentlich dazu dienen soll, diesen vor Krankheitserregern zu schützen, richtet sich gegen den eigenen gesunden Körper. Verlaufsmodifizierende Therapien stellen eine der grundlegenden Therapieformen bei MS dar und wirken direkt auf das Immunsystem. Wie aussagekräftig ist die Evidenz bezüglich dieser Behandlungsform?

Die Ursache, weshalb sich bei MS das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet ist noch nicht abschließend geklärt. Hier sind neben genetischen Faktoren, Umwelteinflüsse, Vitamin-D-Mangel und die Ernährung im Gespräch.

Was jedoch sicher zu sein scheint, ist, dass sich bei MS die für die Immunabwehr des Körpers zuständigen B- und T-Zellen gegen die Substanz richten, die die Nervenfasern umhüllt, das so genannte Myelin. Das Myelin gewährleistet als Schutzhülle, dass die elektrischen Impulse im Nervensystem weitergeleitet werden. Der Angriff der B- und T-Zellen auf die Myelinhülle der Neuronen löst eine Entzündung aus und führt zu verschiedenen Symptomen. Das Auftreten eines oder mehrerer MS-Symptome, die über 24 Stunden hinaus bestehen, wird als Schub bezeichnet. Weiterlesen

5 am Tag – auch schon für die Kleinsten

Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann das Risiko von Zivilisationskrankheiten langfristig senken. Daher gilt die Faustregel, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, auch bereits für Kinder. Cochrane-Autoren wollten wissen, wie der Obst- und Gemüseverzehr bei Kindern unter 5 Jahren erhöht werden kann.

Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr in der Kindheit kann chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter reduzieren. Weltweit werden 2.8% der Todesfälle auf einen geringen Obst- und Gemüsekonsum zurückgeführt. Die Basis für eine dauerhaft gesunde und abwechslungsreiche Ernährung kann bereits früh geschaffen werden. Es ist leichter, sich von Anfang an gesund zu ernähren, als später im Erwachsenenalter alte Vorlieben aufzugeben oder auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Daher zielen viele Public Health-Interventionen darauf ab, bereits im Kindesalter den Früchte- und Gemüsekonsum zu erhöhen. Weiterlesen

Multiple-Sklerose: eine Krankheit, viele Gesichter, wenig gute Informationen

In diesem ersten Gastbeitrag berichtet unsere freiwillige Übersetzerin Brita Fiess von ihrer Motivation, zum Thema Multiple Sklerose (MS) zu arbeiten. Es folgen zwei weitere Beiträge, einer zu verlaufsmodifizierenden Therapien und ein Zweiter zu Ernährungsinterventionen bei MS.

Lange gehörte Multiple Sklerose (MS) zu den Krankheiten, mit denen ich als medizinische Übersetzerin zwar öfter konfrontiert wurde, die ich aber nicht wirklich einordnen konnte. Meine Motivation, mehr über MS zu lernen und letztendlich zur Übersetzung von laienverständlichen Zusammenfassungen von Cochrane Reviews beizutragen, verstärkte sich, als die Krankheit für mich ein konkretes Gesicht erhielt.

Multiple Sklerose: Fakten & Zahlen

In Deutschland ist MS mit ca. 200.000 Betroffenen eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralnervensystems. In der Schweiz gab es im Jahr 2016 zwischen 10.000 und 15.000 Betroffene und in Österreich sind es rund 8.500. Weltweit sind schätzungsweise 2,5 Mio. Menschen erkrankt; Frauen häufiger als Männer. Betroffene Personen erkranken typischerweise im Alter von 20 bis 40 Jahren. Weiterlesen