Ach du dickes Ei: sind hohe Cholesterinwerte schädlich für’s Herz?

Am Wochenende landet traditionell auf vielen Frühstückstischen das morgendliche weiche Ei mit Wurst oder auch das Rührei mit Speck; Lebensmittel, die reich an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin sind. Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, der im Blut vorkommt und einen schlechten Ruf hat. Etwa 57 % der deutschen Männer und 61 % der deutschen Frauen überschreiten den mittlerweile gültigen Grenzwert von 190 mg/dl.

Warum gelten hohe Cholesterin-Werte als schädlich?

Die Cholesterin-Debatte existiert schon seit den 50er Jahren und wurde in Amerika angestoßen. Zwischen 1920 und1955 kam es dort zu einem enormen Anstieg an Todesfällen verursacht durch Herzinfarkte, was Aufsehen erregte. In einer Fall-Kontroll-Studie von 1953 fanden Forscher heraus, dass diejenigen, die einen Herzinfarkt erlitten hatten im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe höhere Gesamtcholesterinwerte und LDL-Werte (Low-Density-Lipoprotein, genaue Erklärung siehe weiter unten im Blog) aufwiesen. Die amerikanischen Forscher Keys und Hegsted fanden Hinweise dafür, dass die Cholesterin-Konzentration im Blut mit der Aufnahme von gesättigten Fettsäuren in Verbindung stehen könnte. Sie schlussfolgerten, dass gesättigte Fettsäuren die Cholesterinwerte im Blut und somit das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen könnten.

Infolge dieser Erkenntnisse wurden tierische Fette (Butter, Fleisch, Eidotter), die hauptsächlich gesättigter Natur und reich an Cholesterin sind, verteufelt. Cholesterinsenker – sogenannte Statine – kamen auf den Markt und Margarine-Hersteller machten kräftig Umsatz.

Doch was ist Cholesterin überhaupt?

Cholesterin ist ein wichtiger Baustoff des Körpers. Er wird benötigt, um z. B. Hormone und Gallensäure zu bilden und ist ein wichtiger Baustein der Zellwände. Der größte Teil des körpereigenen Bedarfs wird in der Leber hergestellt und nur ein kleiner Teil wird über die Nahrung aufgenommen. Cholesterin gehört zur Gruppe der Lipide (Fette) und ist weder wasser- noch fettlöslich. Um vom Blut transportiert zu werden, wird das Cholesterin zusammen mit Lipoproteinen (Proteine/Eiweiße und Fett) gebunden. Diese Verbindungen unterscheidet man entsprechend ihrer Dichte in HDL- und LDL-Cholesterin.

‚LDL‘ steht für Low-Density-Lipoprotein (Lipoprotein niedriger Dichte): Über diese Verbindung wird das Cholesterin aus der Leber in den Körper, die Organe und das Gewebe transportiert. Ein hoher LDL-Wert wird mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, da es sich leicht an die Arterienwände anlagern kann. Deshalb steht LDL für das ‚schlechte‘ Cholesterin.

‚HDL‘ steht für High-Density-Lipoprotein (Lipoprotein hoher Dichte): In dieser Kombination wird das Cholesterin aus dem Gewebe zurück zur Leber transportiert.
Ein hoher HDL-Wert soll die Arterien schützen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Daher wird das HDL auch als ‚gutes‘ Cholesterin bezeichnet.

Und was hat schädliches LDL-Cholesterin nun mit den gesättigten Fetten in der Nahrung zu tun?

Schädliches LDL-Cholesterin und gesättigte Fettsäuren in unserer Nahrung

Studien aus den 50er Jahren geben Hinweise darauf, dass die gesteigerte Aufnahme von gesättigten Fettsäuren zu erhöhten Gesamtcholesterinwerten und LDL-Werten führen kann und somit das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung gesteigert wird.

Dieser Zusammenhang wurde im Jahr 2015 durch Cochrane Autoren* untersucht. Der Review untersuchte, ob sich die Reduktion von gesättigten Fettsäuren auf das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken könnte.

15 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt über 59.000 erwachsenen Teilnehmern wurden eingeschlossen. Die Teilnehmer waren Männer und Frauen mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ausgeschlossen wurden Studien, die akut erkrankte Menschen, schwangere oder stillenden Frauen untersuchten.

Die Studien hatten gemeinsam, dass die Interventionsgruppe weniger gesättigte Fettsäuren zu sich nahm. Die Kalorien nahmen sie stattdessen über Kohlenhydrate, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, einfach gesättigte Fettsäuren und/oder Proteinen zu sich. In den meisten Fällen erhielt die Interventionsgruppe eine Ernährungsberatung, ergänzende Präparate (z. B. Kapseln mit ungesättigten Fetten) oder bekam die modifizierte Nahrung direkt verordnet. Die Kontrollgruppe behielt ihre Ernährungsgewohnheiten bei, erhielt ein Placebo oder bekam eine andere Diät (Kontroll-Diät) verordnet. Über mindestens zwei Jahre wurden die gesundheitsbezogenen Endpunkte Tod, Tod durch Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Auftreten von Schlaganfall und Krebs bei beiden Gruppen aufgezeichnet.

Ergebnisse:

Die eingeschlossenen Langzeitstudien ergaben, dass die Reduktion von gesättigten Fettsäuren das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden (Schlaganfall, Herzinfarkt) um 17 % verringern kann. Die Studien konnten jedoch keinen Unterschied zwischen den Gruppen in den allgemeinen und kardiovaskulär-bedingten Todesraten feststellen. Betrachtete man genauer, wodurch gesättigte Fette ersetzt wurden, so zeigte sich, dass vor allem ein Ersatz mit mehrfach ungesättigten Fetten positive Wirkung auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit hatte. Wurden die gesättigten Fette durch Kohlehydrate oder Proteine ersetzt, zeigte sich kein positiver Gesundheitseffekt. Je größer die Reduktion der gesättigten Fette desto ausgeprägter war der schützende Effekt. Menschen, die noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankung erlitten haben, profitieren besonders von einer Ernährung mit wenig gesättigten Fetten. Es wurden keine Nebenwirkungen beobachtet. Durch die Reduktion der gesättigten Fettsäuren kam es in einigen Fällen auch zu Gewichtsabnahmen.

Fazit

Gemäß den Studienergebnissen kann eine ausgewogene Ernährung, die reich an mehrfach ungesättigten und arm an gesättigten Fetten ist, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.
Einige Menschen haben genetisch bedingt hohe Cholesterinwerte. Diese können sie insofern nicht allein durch entsprechende Nahrung regulieren und müssen in Absprache mit ihrem Arzt ggf. zu Medikamenten greifen, um das Erkrankungsrisiko zu verringern.

Es ist zu beachten, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen meist multifaktoriell bedingt sind. In der Regel kommen mehrere Risikofaktoren (z. B.: Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, wenig Bewegung, Diabetes mellitus, Stress) zusammen, die das Auftreten der Erkrankung bedingen können.

Ein gesunder Lebensstil, bestehend aus einer ausgewogenen Ernährung, wenig Alkohol und Nikotin, wenig Stress aber viel Bewegung scheint die beste Prophylaxe gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sein.

Text: Maren Fendt

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

 

 

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