5 am Tag – auch schon für die Kleinsten

Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann das Risiko von Zivilisationskrankheiten langfristig senken. Daher gilt die Faustregel, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, auch bereits für Kinder. Cochrane-Autoren wollten wissen, wie der Obst- und Gemüseverzehr bei Kindern unter 5 Jahren erhöht werden kann.

Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr in der Kindheit kann chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter reduzieren. Weltweit werden 2.8% der Todesfälle auf einen geringen Obst- und Gemüsekonsum zurückgeführt. Die Basis für eine dauerhaft gesunde und abwechslungsreiche Ernährung kann bereits früh geschaffen werden. Es ist leichter, sich von Anfang an gesund zu ernähren, als später im Erwachsenenalter alte Vorlieben aufzugeben oder auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Daher zielen viele Public Health-Interventionen darauf ab, bereits im Kindesalter den Früchte- und Gemüsekonsum zu erhöhen.

Positive Auswirkungen von Obst und Gemüse auf die Gesundheit

Obst und Gemüse versorgen den Körper mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Zudem senken sie das Risiko von nicht-übertragbaren Erkrankungen (NCD) wie Herzkreislauferkrankungen, verschiedenen Krebsarten, Diabetes oder Bluthochdruck. Diese nehmen noch immer zu und verursachen in Europa 86% der Todesfälle und 77% der Krankheitslast. Übergewicht und Adipositas gelten als wichtige Risikofaktoren bei ihrer Entstehung. In der EU sind je nach Land bereits zwischen 12% und 33% der 4-jährigen Kinder übergewichtig oder adipös. In der Schweiz sind es im Kindergartenalter 15% und in der Unter- und Mittelstufe bereits 20% der Kinder. Gründe hierfür sind mangelnde Bewegung sowie Aufnahme von energiereichen Lebensmitteln, die viel Fett oder Zucker enthalten. Obst und Gemüse tragen durch die geringe Energiedichte und den hohen Ballaststoffgehalt zu einer schnelleren und langanhaltenden Sättigung bei. Das kann bei der Prävention von Übergewicht und Adipositas genutzt werden.

Empfohlene Menge und tatsächlicher Konsum

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Oganization (WHO)) und die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (Food and Agriculture Organization (FAO)) empfehlen einen täglichen Verzehr von mindestens 400 g Obst und Gemüse. Um dies zu erreichen, entstand in der EU die Kampagne „5 am Tag“. Hierbei sollen mindestens fünf Portionen Obst- und Gemüse täglich konsumiert werden, davon etwa die Hälfte roh. Eine Portion entspricht dabei jeweils der eigenen Handgrösse; bei Kindern je nach Alter 40 bis 120 g und bei Erwachsenen ca. 120 g. In der Schweiz konsumieren laut der landesweiten Ernährungsumfrage MenuCH nur 13% der Bevölkerung täglich die empfohlenen 5 Portionen Obst und Gemüse. In Deutschland erreichten dies 2014 knapp 10% der Erwachsenen und in Österreich 9%. Bei den Kindern wurde das Ziel in Deutschland nur von 17-20% erreicht.

Welche Massnahmen erhöhen den Obst- und Gemüsekonsum bei Kindern wirkungsvoll?

Ein Cochrane Review ging der Frage nach, mit welchen Massnahmen der Obst- und Gemüsekonsum bei Kindern unter 5 Jahren erhöht werden kann. Es wurden 50 Studien mit 10.267 Teilnehmenden eingeschlossen: 30 Studien untersuchten die Ernährung von Kindern, 11 Studien Schulungsmassnahmen für Eltern bezüglich Kinderernährung, 8 Studien mehrteilige Massnahmen und eine Studie untersuchte die Schulung der Kinder bezüglich ihrer Ernährung. Die Metaanalysen zeigten nur eine positive Wirkung bei Massnahmen, welche die Ernährung der Kinder direkt betrafen; wie beispielsweise der Verzehr von mehr Obst- und Gemüseportionen pro Tag. Hier erhöhte sich der Gemüsekonsum der Kinder um durchschnittlich etwa 4 g im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die anderen untersuchten Massnahmen zeigten keinen Einfluss auf den Früchte- und Gemüseverzehr. Die Evidenz für die Wirkung der untersuchten Massnahmen bei jüngeren Kindern ist eher gering. Jedoch müssen die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden, da das Vertrauen in die Ergebnisse niedrig ist und sich diese sehr wahrscheinlich noch durch zukünftige Studien verändern.

Bisherige Massnahmen im deutschsprachigen Raum

Kinder erwerben ihre Essgewohnheiten zunächst durch das Imitieren ihrer Eltern, später dann auch durch das Essensangebot von Krippen, Kindergärten oder Schulen. Hier setzen die verschiedenen Programme, wie beispielsweise das „EU-Schulprogramm“ an. Ziel dieses Programms ist es, dass 3- bis 10-jährige Kinder mehr Obst, Gemüse und Milch verzehren. Durch das tägliche Angebot sollen die Essgewohnheiten der Kinder langfristig positiv beeinflusst werden. In der Schweiz bestehen ebenfalls Programme und Projekte für Kinder bis 5 Jahren, wie beispielsweise “Purzelbaum”. Das Projekt setzt sich für mehr Bewegung und gesunde Ernährung in Spielgruppen, Kindertagesstätten, Kindergärten und in Primarschulen ein und wird bisher in 20 Kantonen umgesetzt. In Deutschland wird im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „IN FORM“ auch durch verschiedene Projekte und Programme eine gesunde Ernährung und Verpflegung in Kindergärten und Schulen gefördert.

Neben diesen Programmen existieren auch Broschüren zur Elternbildung; wie in der Schweiz „Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern” oder in Deutschland „Empfehlung für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen“.

Fazit

Um die Kleinen schon früh an viel Obst und Gemüse zu gewöhnen, gibt es mehrere vielversprechende Strategien: so lernen Kinder sehr viel durch Beobachtung und Nachahmung der Grossen. Wenn Obst und Gemüse über den Tag hinweg in verschiedenen Formen, wie z.B. als Rohkost oder als leckeren Saft, angeboten werden, kann damit der Früchte- und Gemüsekonsum der Kleinen gesteigert werden. Also warum nicht gemeinsam mit den Kindern statt des Schokoladenriegels aus der Werbung eine saftige Apfelsine oder einen knackigen Apfel als Snack zwischendurch geniessen?

Text: Anne Borchard

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